Am anderen Ende der Welt

2019-04-03 08:37

Menschenhandel ist eine große Gefahr.

Langsam merke ich, wie ich immer mehr von der Kultur lerne und verstehe, ich kann hinter die Fassaden blicken. So bin ich in letzter Zeit auch mehr mit dem Thema Armut konfrontiert worden, was hier in Flores wirklich ein großes Problem ist - umso mehr merke ich, wie gesegnet ich eigentlich bin, diese Erfahrung „am anderen Ende der Welt“ machen zu dürfen.

Mit den Mitarbeitern war ich in einem Dorf in der Mittelschule, um die Jugendlichen über Menschenhandel aufzuklären. Die Provinz, in der Flores liegt, ist davon sehr stark betroffen, weil hier viele Menschen in Armut leben. Ihnen wird eine gute Arbeit auf einer der anderen Inseln (z.B. Borneo) oder im Ausland versprochen und, einmal in der Hand des Täters, werden sie ausgebeutet oder misshandelt. Es ist wichtig, dieses Thema schon in der Mittelschule anzusprechen, da es auch für Kinder eine reale Gefahr darstellt. Viele ziehen nach der Schule leider sowieso aus Flores weg, um bessere Arbeitschancen zu haben und da müssen sie vorsichtig sein, nicht ein weiteres Opfer des Menschenhandels zu werden.

Bei meinem Projekt TRUK läuft es ansonsten gut, die Mädchen werden immer offener mir gegenüber. Es sind wieder einige neue dazugekommen, einige auch ausgezogen, aber das shelter, das doch sehr klein ist, platzt trotzdem aus allen Nähten. Momentan wohnen dort 10 Menschen, verteilt auf zwei Schlafzimmer, wobei in dem einen nur nachts Matratzen auf den Boden gelegt werden. Aber das wichtigste ist, dass die Mädchen hier sicher wohnen können und Unterstützung bekommen – und auch untereinander halten sie zusammen und machen sich Mut.

Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr hier der Glaube das Leben durchdringt, besonders bei den Ärmsten und denen, die viel Schlimmes erlebt haben. Ein Mädchen aus dem shelter hat mir von einer schwierigen Situation erzählt, in der sie sich befindet, und zum Schluss meinte sie: „Ich bitte immer wieder, dass Gott seinen Heiligen Geist sendet, damit sich das klärt“ – das hat mich wirklich beeindruckt.
Mitte Februar haben wir noch einen besonderen Zuwachs bekommen: Eine Frau aus dem shelter hat ihr Baby bekommen, und auch ein anderes Kind von ihr lebt bei uns, er bringt Leben ins Haus!

Und damit verabschiede ich mich schon wieder von euch, bis zum nächsten Rundbrief!

Bernadette (MaZ in Indonesien)

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