Dankbares Erinnern

2021-09-27 11:46

Gedenkfeier im Klostergarten

Bei einer kleinen Gedenkfeier im Klostergarten mit ein paar Freunden und Nachbarn gedachten wir der Enteignung durch die Nationalsozialisten 1940 und der Rückgabe des Klosters durch die russische Militärverwaltung 1946. Seit 75 Jahren leben wir Steyler Missionsschwestern wieder in unserem Kloster St. Koloman.

Wir sind dankbar verbunden mit vielen Freunde und Nachbarn, die uns in immer wieder turbulenten Zeiten auf vielfältige Weise unterstützen. Deshalb trafen wir einander am 18. September 2021 im Klostergarten zu einer kleinen Gedenkfeier.

Der 18. September war zweimal ein einschneidendes Datum in der Geschichte der Steyler Missionsschwestern von St. Koloman. Zuerst aufgrund der Enteignung durch die nationalsozialistische Gauleitung:

Aus der Chronik:

September 1940: Die Gauleitung informiert, dass das Haus innerhalb von 6 Tagen zu verlassen ist. Die Postulantinnen übersiedeln mit Sr. Nuntia nach Wöllersdorf; Die Aspirantinnen reisen mit Sr. Luminosa nach Wöllersdorf, die Novizinnen fahren nach Wien, Favoriten - Alxingergasse, St. Philomena.

18.Sept.1940: Um 5 h wurde die letzte Hl. Messe gefeiert. Die verbleibenden Schwestern wurden so verteilt, dass halbstündlich eine Anzahl mit jedem Zuge abreiste. Gegen 7:30 kam der Pfarrer und nahm das Allerheiligste aus dem Tabernakel, das ewige Licht wurde ausgelöscht.

Herr B. aus Unterzögersdorf erinnert sich, dass er als kleiner Bub gesehen hat, wie sich die Schwestern mit je einem kleinen Koffer auf den Traktor seines Vaters gesetzt haben, der sie zur Bahn gebracht hat. Das „Ave Maris Stella“ wurde gesungen, alle haben geweint.

Im Jahr 1946 wird der 18. September wiederum als denkwürdiger Tag in die Chronik eingetragen.

Ende Mai 1945 in den Wirren zu Kriegsende machten sich einige Schwestern aus Wien mutig zu Fuß und mit Handkarren auf den Weg nach Stockerau. Sie werden vom Pfarrer willkommen geheißen und auch viele Stockerauer freuen sich, dass die Schwestern wiederkommen. Diese finden ein völlig geplündertes Kloster vor. Russische Soldaten, Kriegsflüchtlinge und Waisenkinder leben im Kloster und den Baracken. Das Hauptgebäude wird zu einem russischen Lazarett.

Aus der Chronik:

Am 18. September 1946 werden die letzten Sachen der russischen Soldaten abgeholt.

Koch Waldemar verspricht „Gott treu zu bleiben“. Beim Nachmittagskaffee übergibt der befehlshabende russische Offizier die Hausschlüssel an die Provinzoberin. Die Schwestern brechen in Jubel aus und klatschen mit den Händen.

Sobald es irgendwie möglich ist, wird das Haus wieder für Einkehrtage und Exerzitien geöffnet.

 

 

Zurück