„Herr, wohin sollte ich gehen? Du allein hast Worte ewigen Lebens!“ (Joh 6,68)

2022-04-05 11:44

Sr. Maria Petra Schüttenkopf SSpS - Nachruf

Maria wurde am 14. Jänner 1948 in Metnitz in Kärnten geboren und stammte aus einfachen Verhältnissen. Früh zog es sie schon in die Ferne, zu einem Au-pair-Jahr nach Luxemburg. Von 1967-1969 war sie Erzieherin in einer Einrichtung für Mädchen aus schwierigen Verhältnissen in Klagenfurt.

Maria hatte von jeher ein starkes Interesse an sozialem Engagement, und zugleich faszinierte sie die Weite der missionarischen Berufung. So bat sie um Aufnahme bei den Steyler Missionsschwestern und trat am 8. September 1969 in St. Koloman ins Postulat ein. Mit Noviziatsbeginn wählte sie sich den Ordensnamen Maria Petra; Maria als ihren Taufnamen und Petrus, weil sie sich im stürmischen Temperament dieses Apostels in vieler Hinsicht wiederfand.

Nach der Erstprofess besuchte sie 1973-77 in Steyl das Aufbaugymnasium und nach ihrer Ewigen Profess absolvierte sie in Wien die zweijährige Ausbildung zur Religionslehrerin für Volksschulen.

Manche Schwestern waren schon durch die Briefe, die Sr. Maria Petra von Steyl an die Schwestern in Österreich schrieb, auf ihre Begabung aufmerksam geworden, interessante und fesselnde Berichte zu verfassen. Deshalb wurde ihr in den Jahren 1980-86 die Redaktion unserer Missionszeitschrift „Mission heute“ anvertraut. Diese wurde ab 1985 für den deutschsprachigen Raum zusammengelegt und in „Geist und Auftrag“ umbenannt.

Ebenso setzte der „Pilger“, unser internes Informationsblatt, unter ihrer Leitung seinen Weg zu den Mitschwestern im In- und Ausland fort. Das Know-how dafür erwarb sie sich durch verschiedene Praktika, vor allem auch in der Stadt Gottes-Redaktion in St. Gabriel. Außerdem engagierte sie sich mit Begeisterung in der missionarischen Bewusstseinsbildung.

Ihr großer Wunsch, nicht nur interessante Artikel über die Missionsarbeit anderer zu schreiben, sondern selbst in diese Erfahrung einzutauchen, ging 1986 in Erfüllung.

Sr. Maria Petra erhielt Bestimmung für einen dreijährigen Missionseinsatz in Afrika, und zwar in Ghana. Nach einigen Monaten der Inkulturation in Sunyani engagierte sie sich in Tema in der Pastoralarbeit. Sie arbeitete bei den verschiedenen pfarrlichen Gruppen mit und nahm sich besonders der Frauen an.

Im Mai 1989 kehrte Sr. Maria Petra in die österreichische Provinz zurück. Sieben Jahre lang redigierte sie weiterhin von St. Koloman aus unsere Missionszeitschrift und engagierte sich im Vikariat Nord der Erzdiözese Wien und bei verschiedenen Gelegenheiten für missionarische Bewusstseinsbildung und im Bereich von „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ (GFS). Von 1996-1999 gehörte sie zur SSpS-Kommunität von St. Gabriel und arbeitete dort auch in der Redaktion der SVD-Publikationen mit.

Von 2000 bis 2006 war Sr. Maria Petra für den Bereich Kommunikation auf Generalatsebene verantwortlich. Von Rom aus redigierte sie unseren SSpS- Informationsdienst, das damalige „SSpS-Worldwide“, und übernahm anfallende Übersetzungsarbeiten. Anschließend zog es sie erneut nach Ghana, wo sie sich in Donkorkrom in den Afram Plains im Bibelapostolat und im Religionsunterricht einsetzte. Besonders am Herzen lag ihr die Begleitung der „Christian Mothers“. Sie ermutigte die Frauen, sich in der dort von Männern dominierten Gesellschaft ihrer Würde bewusst zu sein und initiativ zu werden.

2009 kam Sr. Maria Petra aufgrund einer Krebsdiagnose nach Österreich. Nach einem Jahr Behandlung ging sie zurück in ihr geliebtes Afrika, doch ein Jahr später erkannte sie, dass ihre Gesundheit nicht mehr stabil genug war. So entschied sie im November 2010, in Österreich zu bleiben. Vom Dreifaltigkeitskloster in Wien aus arbeitete sie in großer Treue und leidenschaftlich vor allem in der Migrantenpastoral in der Schubhaft-Seelsorge mit und übernahm im SOLWODI- Schutzhaus unzählige Nachtdienste. Als unsere Niederlassung im Dreifaltigkeitskloster geschlossen wurde, übersiedelte Sr. Maria Petra im August 2016 nach Wien-Speising und setzte von dort aus dieses Engagement fort.

Rückblickend auf ihr Leben und Wirken drückte Sr. Maria Petra beim Feiern ihres 70. Geburtstages ihre tiefe Dankbarkeit aus für all die Möglichkeiten, die sie in unserer Kongregation erhalten hatte, um ihre Talente entfalten und einsetzen zu können.

Sr. Maria Petra war ein sehr offener Mensch, geradlinig und ehrlich, spontan und kreativ, anspruchslos für sich selbst und konsequent, manchmal auch ihre Mitschwestern herausfordernd in Bezug auf einen einfachen Lebensstil und den Einsatz für benachteiligte und unterdrückte Menschengruppen. Vor allem in Ghana war es ihr sehr wichtig, auf die Menschen zuzugehen und ihre Lebenswelt kennen zu lernen. Ebenso war ihr das lebendige Gemeinschaftsleben ein echtes Anliegen. Im Spielen und im Austausch mit ihren Mitschwestern fand sie einen guten Ausgleich zu den Herausforderungen ihres sozial-pastoralen Einsatzes.

Sr. Maria Petra war auch ein betender Mensch. Oft sah man sie mit dem Rosenkranz durch den Garten gehen, was sie selbst humorvoll ihren „geistlichen Kreislauf“ nannte. Persönliche Schwierigkeiten verarbeitete sie offensichtlich in der Kapelle.

Sr. Maria Petra lebte ihre Christus-Nachfolge sehr bewusst. Das konnten die Mitschwestern aus ihren Beiträgen beim Bibelgespräch erfahren, das ihr besonders am Herzen lag. Vor allem in den letzten Jahren und Monaten konnten wir erleben, wie sie in eine große Gelassenheit hinein reifte, wodurch das Schriftwort immer mehr Wirklichkeit werden konnte, das sie öfters zitierte:

„Euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“

Wir sind sehr dankbar für das Lebens- und Glaubenszeugnis unserer Mitschwester Maria Petra, für ihr ansteckendes missionarisches Wesen und ihren weiten Horizont.

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