Magandang umaga/hapon/gabi sa iyong lahat!

2019-05-16 09:51

3. MaZ Rundbrief von Johanna aus den Philippinen

Schönen Morgen/Mittag/Abend euch allen!
Das philippinische Schuljahr ist um, die Hitzesaison hat begonnen und ich habe ein wunderschönes Osterfest hinter mir. Viel hat sich bei mir getan. Ich hatte mein Zwischenseminar auf Negros Island in den Visayas und bin jetzt seit März auf Mindoro, meiner zweiten Einsatzstelle.

Mein Seminar wurde vom deutschen Weltwärts - Programm organisiert und gehalten. Wir 14 TeilnehmerInnen sind alle Freiwillige auf den Philippinen und kannten uns großteils davor noch nicht, da wir von unterschiedlichen Organisationen entsendet worden sind. Von den Steyler Schwestern sind wir dieses Jahr zu viert auf den Philippinen. Die anderen drei deutschen Mädels sind alle auf den Visayas, ich auf Luzon. Für mich war das Seminar sehr bereichernd und bestärkend. Wir haben viel über die Kultur, die Politik und das Land erarbeitet. Der Austausch über interkulturelle Konflikte und Lösungswege war besonders spannend. Auch wenn wir in sehr unterschiedlichen Einsatzstellen arbeiten, machen wir doch sehr ähnliche Erfahrungen und konnten uns so gegenseitig stärken und ermutigen.

Ich bin sehr froh, dieses schöne und vor allem sehr vielfältige Land mit seinen Kulturen kennen zu lernen. Die Erfahrungen in der Riesenmetropole Manila und jetzt in der Provinz sind in ihrer Verschiedenheit sehr kostbar für mich.
Derzeit bin ich auf Mindoro, einer Insel im Südwesten von Luzon und darf hier das Leben auf dem Land und die Mangyan Kultur kennen lernen. Mangyan ist der Name der Indigenen auf Mindoro. Die insgesamt acht Stämme unterscheiden sich durch die Sprache, kulturelle Rituale und durch die traditionellen Gewänder: Alangan, Bangon, Buhid, Hanunoo, Iraya, Ratagnon, Tadyawan und Tau-Buid.

Bis Juni werde ich im San Mariano Mangyan Formation Home, einem Wohnheim für derzeit 41 Mangyan Students im Alter von 13 bis 21 Jahren mit drei Schwestern leben. Von unserem Ort San Mariano ist es etwa eine halbe Stunde mit dem Tricycle bis zur nächsten kleinen Stadt Roxas. Wir haben hier einen Markt, einen kleinen Supermarkt und jede Menge Sari-sari Stores. Dahinter verbirgt sich ein, meist im Familienbesitz geführter Gemischtwarenladen, in dem man jede Menge Knabberzeug, Softdrinks und in kleine Plastiktüten verpackte Hygieneartikel kaufen kann. Mich hat überrascht, dass es sie scheinbar überall gibt: in entfernten Dörfern und auch auf dem Wasser auf kleinen Booten.

Vor den Sommerferien habe ich den Students oft bei ihren Assignments (Hausaufgaben) geholfen. Jetzt in den Ferien sind immer ca. drei Students hier und wir haben gemeinsame Aktivitäten wie zum Beispiel Volleyball spielen, Holz zum Kochen sammeln, den Umgang mit Computern erlernen und aus kleinen Perlen Armbänder machen. Da bin ich die Lernende, denn darin sind die Mangyans echte Profis. Auẞerdem versuchen wir, unseren Plastikmüll zu recyceln. Aus den Plastikverpackungen machen wir Pölster. Plastikflaschen werden als Blumentopf oder Vase wiederverwendet.

Die Schwestern leiten aber nicht nur das Dormitory, sondern besuchen auch die Communities in den Bergen. Sie haben diese drei Bereiche: Bildung, Gesundheit und Evangelisation und unterstützen die Indigenen im Kampf um das Land wo sie können. Vor Ostern haben wir oft gemeinsam mit den Communities den Kreuzweg gebetet und die Heilige Messe gefeiert. In die Areas kommt man am besten mit dem Motorrad. Oft werden diese mit Bananen und Kokosnüssen vollgepackt und wie durch ein Wunder findet auch noch die ganze Familie darauf Platz.

Ich war die letzten Wochen bei insgesamt vier „Moving-Up“ Feiern. Nach der 10. Schulstufe wird auf den Philippinen der Wechsel von der Junior High zur Senior High School gefeiert. Diese Zeremonie wird in den öffentlichen Schulen und in den Schulen der Mangyans in den Bergen sehr feierlich gestaltet. Für die meist drei- bis vierstündige Feier tragen die Schüler ihre Schuluniformen oder ihre traditionelle Kleidung und machen sich schick. Nach der Nationalhymne und dem gemeinsamen Gebet werden Reden gehalten und zahlreiche Medaillen vergeben.

In Paitan, einem der Villages, hatte ich außerdem die Ehre, bei agpamago dabei zu sein. Das ist eines der höchsten Rituale, um Kapwa (Gott) für die Ernte zu danken. Begleitet von Mangyan - Gesängen wird auf traditionelle Art ein Schwein geschlachtet und mit Reis zubereitet. Der Reis wird zuvor von den Ähren getrennt. Dafür wird Lusong, ein Holzklotz mit mehreren Mulden verwendet. Besonders wichtig ist, dass die ganze Community gemeinsam dieses Ritual begeht und dann miteinander isst. Manchmal dauern solche Feiern bis zum Morgengrauen.

Von den Mangyans kann ich persönlich sehr viel lernen. Mich begeistert die Selbstverständlichkeit zu teilen, auch wenn nur sehr wenig da ist, ihr friedvoller Umgang und ihre Nähe zur Natur.

Ein wenig muss ich auch von den Bergen hier schwärmen. Die Natur ist so wunderschön, das Wasser klar wie sonst nirgendwo, die Pflanzen strahlen in einem intensiven Grün und der Nachthimmel ist sternenklar. Nach dem Smog in Manila tut die gesunde Luft hier richtig gut. Ich weiß aber, dass es leider nicht überall so ist. Verschmutzte Meere, Korallensterben und Berge bestehend aus Plastikmüll sind leider auch Realitäten.

Eine andere sehr schöne Möglichkeit die Philippinen kennen zu lernen, ist für mich die Jugendgruppe aus der Pfarre. Ich durfte bei einer Recollection für die Jugendlichen teilnehmen und bald gibt es das dreitägige „Summer Youth Camp“. Bei der Fußwaschung am Gründonnerstag hatte ich die Ehre einen der zwölf Apostel darzustellen.
Die Auferstehungsfeier hatten wir am Samstagabend, am Sonntagmorgen gab es das traditionelle Salubong (Treffen). Gefeiert wird die Begegnung der Muttergottes mit dem Auferstandenen. Alle Frauen begleiten die trauernde Mother Mary und die Männer gehen mit dem auferstandenen Jesus betend durch den Ort. Vor der Kirche treffen sich die beiden Prozessionen und Mädchen in Engelkostümen singen und tanzen.
Anschließend wird das schwarze Tuch, das über dir Statue von Mother Mary gelegt worden ist, von einem „fliegenden“ Engel entfernt. Für mich waren das sehr beeindruckende Symboliken. Im Dormitory haben wir uns auch ein schönes Fest gemacht und Ostereier bemalt. Für die Students war dies das erste Mal und es sind richtig schöne Kunstwerke entstanden. Ich habe mich sehr gefreut, diesen Osterbrauch von zu Hause einbringen zu können.
Gründonnerstag und Karfreitag hat sogar die Wahlkampfmusik pausiert. Anfang Mai sind auf den Philippinen die Senatswahlen und mindestens jede halbe Stunde fährt vor unserem Haus ein Auto oder Tricycle mit lauter Musik und Werbeplakat auf und ab.

Das wars auch schon wieder von mir, bis zum nächsten Mal.
Johanna

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