Sintflut Corona - Werte für das Zusammenleben - Geschwisterlichkeit als Auftrag

2020-12-11 11:37

Missionstag: #einfach anders – im Online-Webinar

Am Missionstag bei den Herbsttagungen der Österreichischen Ordensgemeinschaften diskutierten Missionsverantwortliche der Orden und Interessierte am Thema Weltkirche im Online-Webinar über das Zusammenleben in Zeiten von Corona und den interreligiösen Dialog.

Frau Dr. Sigrid Müller, Professorin für Moraltheologie an der Universität Wien, gab den thematischen Input zur Tagung, den sie in zwei Impulse aufteilte: einen Impuls zur Corona-Pandemie und einen zum interreligiösen Dialog. „Der Sintflut Corona – und was wir daraus lernen können“, unter diesem Titel ging Prof. Sigrid Müller vier Fragen nach: Was sind Werte? Was können wir aus der Coronakrise lernen? Welche Impulse finden wir dazu bei Papst Franziskus und welche Werte zählen für uns? Müller unterschied „nicht sittliche Grundwerte“, die unverzichtbar sind, wie Gesundheit, Freiheit, Eigentum, auf die alle anderen Werte aufbauen und „allgemeine sittliche Werte“, wie Achtung der Menschenwürde und Gerechtigkeit.

Zur Coronakrise bemerkte Prof. Sigrid Müller, dass wie bei jeder Katastrophe, ob Sintflut oder auch einem Krieg, die Sinnsuche beginne. So zeige die Pandemie, was in der Gesellschaft im Argen liege. Ein Beispiel: Sozial schlechter gestellte Kinder verlieren im Distance Learning durch technische Nachteile ihre Chancengleichheit. Papst Franziskus mahnt, nach der Corona-Zeit nicht zurückzukehren zum Alten. So forderte er in einer Videobotschaft junge UnternehmerInnen auf, Entwicklungsmodelle für eine Wirtschaft zu finden, die den Menschen nicht nur am Papier, sondern real in den Blick nimmt.

„Welche Werte zählen nach Corona?“ fragte Prof. Sigrid Müller. Die Taube mit dem Ölzweig im Schnabel sei die Ankündigung von einsetzbarem Impfstoff. „Es ist Land in Sicht für die Gesundheit, aber nicht für den Frieden oder die Ökologie“, so Müller. In der ersten Diskussionsrunde wurden viele Chancen für soziales Engagement in der Pandemie ausgemacht. Als Kirche müsse man selbst mutig sein, Veränderung in die eigene Hand zu nehmen.

Geschwisterlichkeit als Auftrag

Als zweiten Impuls brachte Prof. Sigrid Müller das Dokument zum interreligiösen Dialog von Abu Dhabi ein. Ziel des Dokumentes sei es, für eine Kultur der gegenseitigen Hochachtung zu arbeiten. Das Leitmotiv der Brüderlichkeit im Umgang mit anderen Religionen werde seit Papst Johannes XXIII. formuliert. Geschwisterlichkeit im Islam lässt sich nicht von einer „Gotteskindschaft“ herleiten, sondern über eine gemeinsame Abstammung von Adam und Eva. Im Dokument gehe es um erstens, die Verantwortung vor Gott, zweitens den Weg des Dialoges und drittens, der Regel der Zusammenarbeit. Papst Franziskus setze auf den interreligiösen Dialog, um vor allem gemeinsame soziale und ökologische Ziele zu verfolgen.

Text u. Bild: (c) Ordensgemeinschaften Österreich/ Lisa Huber, Martin Gsellmann

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