Steyler Missionsschwestern und Vivat International für Wanderarbeiter in Odisha, Indien

2020-11-24 10:51

Angesichts solcher Tragödien ist es für uns Christen nicht möglich, still und ungerührt zu bleiben. Sr. Sophia berichtet aus Odisha, Indien.

Als unsere Regierung im März eine nationalen Lockdown verhängte, um die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen, verloren Millionen indischer Migranten ihre Jobs und wollten unbedingt in dieser unsicheren Zeit nach Hause zurückkehren. Ohne Nahrung, Wasser oder öffentliche Verkehrsmittel pendelten sie Hunderte von Kilometern zu Fuß.  Sehr viele starben an Hunger und Erschöpfung, durch Selbstmord, durch Straßen- oder Schienenunfällen, oder wurden Opfer von Polizeibrutalität und der Verweigerung einer rechtzeitigen medizinischen Versorgung. Die Hilfe seitens der Regierung war dürftig und kam spät.

Ich hatte Angst. Meine innere Stimme sagte "bleib zu Hause", aber die Hilfeschreie tausender Wanderarbeiter im ganzen Land ließen mich nicht los, bis ich hinausging, um ihnen zu helfen. Es gibt zu viele herzzerreißende Geschichten, um sie zu erzählen.

Wir Dienerinnen des Heiligen Geistes haben uns mit anderen Ordensgemeinschaften, Priestern, Laien und Organisationen in verschiedenen Teilen Indiens vernetzt, um uns für das Überleben der Migranten und deren sichere Rückkehr nach Hause einzusetzen. Wir führen folgende Aufgaben durch:

  • Wanderarbeiter, die auf dem Weg zu ihren Familien in Bondamunda, Gomardih, Bhubaneswar und Duburi sind, werden mit gekochtem und getrocknetem Essen (Mahlzeiten und Proviant) versorgt.
  • Transportmittel und Mitfahrgelegenheiten werden organisiert.
  • Hygienekits und Masken werden verteilt.
  • Wir unterstützen Migranten durch regelmäßige Begegnungen und materielle, finanzielle und moralische Hilfe.
  • Wir besuchen Migranten, die zu ihrer Familie zurückkehren konnten. Gemeinsam versuchen wir, die traumatisierenden Erlebnisse (Isolation, Angst, Hilflosigkeit, Unsicherheit, Wut und Verlust von Geld und Arbeitsplatz) zu verarbeiten.
  • Wir gehen zu den Menschen in den Quarantänezentren. Wir hören ihnen zu und informieren sie über die so wichtigen Sicherheitsmaßnahmen bezüglich Covid-19.
Angesichts solcher Tragödien ist es für uns als Christen nicht möglich, still und distanziert zu bleiben. Bleiben wir offen für die Not unserer Mitmenschen.
Sr. Sophia SSpS
 
Odisha, Indien Ost, November 2020

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