Über Umwege ein Gruß aus PNG

2017-01-23 09:18

Liebe Freundinnen und Freunde,
Fohe und gesegnete Weihnachten und ein Neues Jahr mit Emmanuel, Gott-mit-uns!

Nach laaaaanger Zeit melde ich mich wieder einmal bei Euch. In meiner Arbeit in der Ordensleitung muss ich soviel schreiben (Berichte, Emails, Briefe), dass ich mich zu privater Korrespondenz kaum aufraffen kann.In diesem Jahr war ich Weltenbummler. Zu meinen Reisen in Papua Neuguinea kamen eine Reihe Auslandsreisen. Erst war ich auf Urlaub in Steyl und Deutschland, mit einem Abstecher nach Suedtirol, meinem Lieblingsort auf Erden. Es war gut, Zeit mit Familie, Mitschwestern und Freunden zu verbringen – auch wenn meine Zeit und Energie wieder einmal nicht ausreichte, alle zu besuchen, die ich gern besucht haette. Das tut mir leid.

Im Oktober hatten wir eine internationale Versammlung unserer Ordensgemeinschaft in Bangalore, Indien. Das war mein erster Aufenthalt in Indien. Und wie immer, wenn man einen Ort besucht, ueber den man schon viel gehoert, vielleicht auch viele Bilder gesehen hat, ist es doch wieder ganz anders, wenn man wirklich dort ist. Christen sind in Indien eine Minderheit, heisst es. Stimmt statistisch gesehen. In Wirklichkeit aber sind sie eine einflussreiche gesellschaftliche Kraft. Die katholische Kirche hat eine Unzahl sozialer und kultureller und Bildungs-Einrichtungen, was sie unuebersehbar macht. Besonders beeindruckt hat mich, wie professionell die katholische Sozialarbeit ist.

An unserer Versammlung in Bangalore nahmen die Leiterinnen aller Provinzen und Regionen der Steyler Missionsschwestern teil – also rund 60 Frauen aus ueber 40 Laendern. Das ist spannend. Wir tauschten uns ueber Fragen der Fuehrung und Leitung aus; darueber, wie man Ordensleben heute zeitgemaess leben kann; ueber Zusammenleben in kulturell gemischten Gemeinschaften; und was sich gerade in unseren Laendern politisch und gesellschaftlich tut.

Zehn Minuten Fussweg von unserem Tagungshaus entfernt gab es einen Hindu Tempel - gut besucht, weil an einer Hauptverkehrsstrasse und gegenueber eines grossen Einkaufszentrums gelegen. Ein grosses, buntes Tor mit unzaehligen Reihen von Symbolen und Goetterfiguren fuehrt in einen von Mauern eingefassten Tempelhof. Dort gibt es etliche kleine Tempelhaeuschen, nicht groesser als ein Zimmer. Priester nehmen Weihegaben der Besucher entgegen: Lichter, Speisen, Stoffe. Wenn die Priester manchmal den Vorhang aufzogen, schien mir im Tempel ein kleiner Thron zu stehen, vielleicht der Sitz der Gottheit. Daneben gibt es Nischen mit einzelnen Goetterfiguren, eine Art Stein, um den die Glaeubigen mehrmals herumgehen, und Staender, auf denen man Lichter, d.h. Oellaempchen opfern kann. Und die waren es: diese Staender aus Edelstahl, die ich wiedererkannte als die gleichen, die auch in Kevelaer an der Kerzenbasilika stehen. Und auf einmal erschien mir der Hindu Tempel gar nicht mehr so fremdartig. Auch in Kevelaer und anderen Wallfahrtsorten gehen Menschen von Kapelle zu Kapelle, beten in verschiedenen Anliegen, opfern Kerzen, drehen ihre Runden auf der Suche nach der Begegnung mit Gott, nach einem Ohr, das ihre Anliegen hoert und sich zu Herzen nimmt.

Von Indien aus reiste ich weiter nach Rom zu einem Koordinatoren-Treffen der Katholischen Bibelfoederation. Auch hier war die Zusammensetzung der etwa 20 TeilnehmerInnen ganz international. Darunter waren auch ein Schwester und ein Priester aus dem Libanon. Sie erzaehlten uns ersterhand von der Fluechtlingssituation in Libanon, Syrien und Irak. Schrecklich. Die Menschen hoffen, ihre Existenz wieder aufbauen zu koennen – aber wie soll das gehen, wenn alles in Schutt und Asche liegt?

Nun bin ich ueber Weihnachten im Hochland Papua Neuguineas und verbringe die Feiertage bei unseren Schwestern in Mount Hagen. Sie haben ein Maedchen, Lien, zu Ferien da. Vor zwei Jahren bin ich ihr schon einmal hier begegnet, als die Schwestern sie fuer einige Wochen aufnahmen und versteckten, weil sie der Hexerei angeklagt und verfolgt wurde. Damals war ihr Koerper voller Schlag- und Brandwunden. Nun ist sie eine kleine Dame, froh und zuversichtlich. Lien lebt in einem von Schwestern gefuehrten Kinderheim in Vanimo (an der Kueste), geht zur Schule und tut alles, was Maedchen ihres Alters gerne tun. Damals war sie eine Art Haushaltssklave in einer Lehrerfamilie. Schoen zu sehen, wie sich ihr Leben zum Guten gewendet hat.

In der ersten Januarwoche bin ich Bistum Kiunga. Das liegt an der Grenze zu Indonesien und besteht fast vollstaendig aus Fluessen und Suempfen. Dort gebe ich Exerzitien fuer die Ordensleute des Bistums. Danach fliege ich zu unseren Schwestern in Port Moresby, der Hauptstadt, und von dort zurueck nach Alexishafen/Madang. Am 15. Januar, dem Festtag von Arnold Janssen, feiern wir die Erstprofess von Schwester Stephanie, die vom Sepik kommt.
Zum Neuen Jahr wuensche ich uns allen, was schon die Engel in Betlehem gesungen haben: Friede auf Erden! Politischer Friede, sozialer Friede, Familienfriede und – am allerwichtigsten – Herzensfriede.

Eure Anna SSpS

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