Ukraine: Sr. Lyudmyla sagt: „Ich bleibe.“

2022-03-21 11:24

Während tausende Menschen vor den Angriffen in der Ukraine fliehen, bleiben einige Steyler Schwestern vor Ort und unterstützen jene, die wegwollen. So wie Sr. Lyudmyla.

Schlafen kann sie kaum: aus Angst vor den Bomben, aus Angst um ihren alten, kranken Vater, aus Angst um ihren Bruder, der sich freiwillig der ukrainischen Armee angeschlossen hat. Sr. Lyudmyla SSpS stammt aus der Ukraine und lebt eigentlich in einer Kommunität in Kiew. Aber der Krieg macht den Aufenthalt in der Hauptstadt zu gefährlich. Sie zog in ihr Heimatdorf im Westen des Landes, wo sie sich um ihren Vater kümmert. Ihre Mitschwestern halten sich nun in anderen Teilen des Landes oder in Polen auf und helfen den Fliehenden.

Zu diesen Flüchtlingen zählt auch ihre leibliche Schwester, die bereits nach Polen aufgebrochen ist. Aber nicht so Sr. Lyudmyla: „Ich bleibe“, sagt sie.

Und so hilft sie jenen, die flüchten. In dem nun leerstehenden Haus ihrer Schwester bringt sie die Fliehenden unter, ehe sie weiterfahren. Sr. Lyudmyla kümmert sich um sie und die anderen Menschen in der kleinen Ortschaft. „Ich sehe jeden Tag Tausende, die durch unser Dorf Richtung Westen fahren“, erzählt sie. Medikamente und Verbandszeug sind oft knapp, aber durch ihre Kontakte zu den Steyler Schwestern in anderen europäischen Ländern kann sie Abhilfe schaffen. „Es gibt nur wenig, was ich tun kann. Ich fühle mich hilflos“, sagt sie dennoch. Anfangs hat sie noch gehofft, dass nach nur wenigen Tagen Frieden einkehrt, doch daran glaube sie nun nicht mehr.

Vor kurzem schlugen in einer nur 50 Kilometer entfernten Ortschaft Bomben ein. Junge Männer, die als Kinder Religionsunterricht bei ihr hatten, starben. Sie weint, während sie dies im Video-Anruf erzählt. „Unsere Armee ist mutig, aber viele von ihnen sind keine Profis“, berichtet sie. Auf dem Land schlügen sie sich dennoch gut, die Luftangriffe aber machten den Menschen große Angst. Was sie selbst tun wird, wenn die Kämpfe bis in ihr Heimatdorf kommen? Was so viele Ukrainer derzeit tun: „Ich werde mich unbewaffnet den Panzern entgegenstellen und hoffen, dass sie abdrehen“, sagt sie. „Es ist unsere Heimat, wir haben ein Recht, hier zu leben.“ Doch für den Fall der Fälle ist auch der Keller als Zufluchtsort bereit.

 

Text: Nadine Vogelsberg in „Leben Jetzt“

Bild: SSpS

 

 

 

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