Wer die Hand auf den Pflug legt, soll nicht mehr zurückschauen…

2021-08-24 12:33

Ein Interview mit Sr. Marese

Sr. Marese stammt aus dem Salzburgischen und feierte vor Pfingsten gemeinsam mit sieben Schwestern 60 Jahre Ordensprofess. Im Gespräch mit Sr. Anna berichtet sie von ihrer Berufung und ihrem Leben als Steyler Missionsschwester in der Mission in Ghana.

Sr. Anna: Sr. Marese, wie bist du auf den Gedanken gekommen, Missionarin zu werden?

Sr. Marese: Wir hatten in unserer Familie die Missionszeitschriften der Steyler Missionare "Stadt Gottes" und "Jesusknabe", die ich gerne gelesen habe. Und da ich im Salzburgischen, in der Nähe des Missionshauses der Steyler Missionare "St. Rupert" bei Bischofshofen zuhause bin, kamen öfters Missionare, die aus den Missionsländern in Heimaturlaub waren, zu uns in die Pfarre und haben Dia-Vorträge gehalten. Einer meiner Brüder war auch Schüler im Missionsgymnasium von St. Rupert.

All das hat bei mir Interesse geweckt. Als sich verschiedene Burschen für mich interessierten, hatte ich auch den Wunsch nach einer großen Familie, doch es blieb eine Unruhe, die mir sagte, das ist nicht für dich. Ich spürte, Gott warb um mich und ich wehrte mich lange Zeit. Schließlich gab ich meinen Widerstand auf und sagte meinen Eltern, dass ich bei den Steyler Missionsschwestern eintreten will. Die Mutter sagte mir: "Wenn du diesen Weg beginnst, dann lauf nicht bei jeder Schwierigkeit davon. Mir war auch oft zum Davonlaufen, doch was wäre aus euch geworden, wenn ich das getan hätte. - Wer die Hand an den Pflug legt, soll nicht mehr zurückschauen."

Sr. Anna: Wie kamst du dann nach Afrika?

Sr. Marese: Bei meinem Eintritt äußerte ich den Wunsch, Krankenschwester zu werden. Deshalb wurde ich nach der Ersten Profess in die USA geschickt für die Krankenpflegeschule, da das dortige Diplom in vielen Ländern anerkannt war. Als ich dann Bestimmung für Ghana in West-Afrika erhielt, damals unsere einzige Mission in Afrika, machte ich zuerst noch in Irland die Hebammen-Ausbildung. Dies wurde dann der Schwerpunkt meiner Arbeit.

Sr. Anna: Wie konntest du als Krankenschwester das Evangelium "verkünden"?

Sr. Marese: Die Menschen, vor allem die Muslime, wunderten sich oft, dass wir allen halfen, unabhängig von Religion oder Herkunft. Das war unser Prinzip sowohl im Krankenhaus, auf der Geburtenstation oder auch im Umgang mit Bettlern. Dadurch haben sie etwas Wesentliches vom Christentum erfahren.
Bei Entbindungen, vor allem wenn es Schwierigkeiten gab, habe ich mit den Leuten gebetet. Ich habe zu Beginn gefragt, welcher Religion sie sind, damit ich mich auf sie einstellen konnte.

Sr. Anna: Was waren für dich wichtige und bereichernde Erfahrungen in Ghana?

Sr. Marese: Ich habe in den 21 Jahren in Ghana die Menschen sehr lieb gewonnen, denn sie sind ungemein freundlich, friedliebend und dankbar für alles. Sie sind von Natur aus tief gläubig und haben ein starkes Gottvertrauen.

Besonders schöne Erfahrungen waren für mich natürlich die Entbindungen und die Freude, wenn ich neues Leben in die Welt begleiten konnte. Die Frauen sind gerne für die Geburt zu uns gekommen, weil sie sich sicher gefühlt haben. Außerdem erhielten sie für ihr Kind einen Geburtsschein und dies war wieder ein Vorteil für den späteren Eintritt in eine Schule.
Wir haben auch darauf hingearbeitet, dass jeder Priester einmal bei einer Entbindung dabei war. In Afrika wusste man nie, wann er in die Situation kommt, dabei helfen zu müssen. Wir haben ihnen die wichtigsten Ratschläge für eine solche Situation mitgegeben.

Eine schöne Erfahrung von neuem Leben und Wachstum war auch die Entstehung von einheimischen Ordensgemeinschaften. Wir wurden vom Bischof gebeten, bei solchen Neugründungen zu helfen und diese Schwestern haben später von uns eine Schule und ein Krankenhaus übernommen. Dadurch konnten unsere eigenen Schwestern zum Norden in ärmere Gebiete gehen.

Täglich bete ich für werdende Mütter und ihre Kinder, das ist mir ein großes Anliegen. So kann ich auch noch im Alter einen Beitrag dazu leisten, dass neues Leben eine Chance hat.

 

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