Zu den Ställen...

2019-12-23 11:36

„Maria wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“. Lk 2,7

Liebe Mitschwestern, Freunde, Bekannte, und Wohltäter!

„Satul Olimpic“, Olympia Dorf oder „la Grajduri“, zu den Ställen, so wird das Rroma Wohnviertel genannt, das weit draußen vor der Stadt Roman situiert ist. Während der kommunistischen Zeit wurden hier in vier und hundertmeter langen Ställen Kühe und Rinder gezüchtet, deshalb die Bezeichnung zu „den Ställen“. Der Name „Olympisches Dorf“ kommt, vom Wasserturm, der dort in der Nähe steht.

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes wurde die Erhaltung von Rindern und Kühen eingestellt. Die Ställe wurden zu Wohnräumen für Rroma-Familien umgebaut, die kurz darauf aus der Stadt evakuiert und dort eingesiedelt wurden. Gründe dafür waren soziale Probleme und Diskriminierung.

Im Sozialzentrum der „Fundatia Pacea“ werden die Kinder täglich mit dem Schulbus der Organisation in den Kindergarten und in die Schule gebracht. Hier half Sr. Lioba mit ihren praktischen und kreativen Fähigkeiten an verschiedenen Projekten mit. Bevor sie wegging, bin ich, nach sieben Jahren Einsatz in Răducăneni, wieder nach Roman zurückgekehrt und habe einen Teil von Schwester Liobas Aufgaben übernommen. Nun gehe ich jeden Dienstag zum Sozialzentrum und jeden Mittwoch zum Olympiadorf. Meine Aufgabe im Sozialzentrum ist, die Kinder, die aus verwahrlosten Familen kommen zu duschen, mit sauberer Wäsche zu bekleiden und die Haare von den „Tierchen“, die sich einnisten, zu befreien. Wie sehr sich die Kinder auf diesen Tag freuen, merke ich, dass sie mich schon gleich in der Früh fragen, ob sie wieder zum Duschen kommen dürfen. Dann laufen sie voraus zum anderen Gebäude und gleich in den Duschraum hinein. Sie genießen das warme Wasser, das sie daheim womöglich nie haben. Wenn sie sauber und wieder frisch angezogen sind, strahlen sie am ganzen Gesicht und laufen wieder zum Unterricht zurück.

Mittwochs gehe ich zu den „Ställen“. Wenn ich ankomme, erwarten mich schon junge Mütter und fragen mich, ob das Treffen stattfindet. Es beginnt um 10,00 Uhr und wird von der Sozialarbeiterin und dem Psychologen von der „Fundatia Pacea“ mitorganisiert. Am Treffen nehmen jedes Mal 20 bis 30 Leute teil, meistens junge Mütter mit ihren Babies. Auch zwei Famileinväter kommen regelmäßig dazu. Beim Treffen werden verschiedene Themen durchgenommen, wie z.B. Hygiene, die Verantwortung der Eltern den Kindern gegenüber und deren Erziehung, die Schulpflicht-und Motivation, dafür zu sorgen, dass die Kinder regelmässig in die Schule gehen usw. Das Ziel dieses Treffens ist vor allem, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, um mit vereinten und ansteckenden Kräften, etwas für das Wohl der ca. tausend Menschen, die dort in Armut und umgeben von Müll und Schmutz unwürdig leben, langsam zu verändern. Bevor das Treffen beginnt, mache ich im Ofen Feuer, damit der Raum bis zum Eintreffen der Leute warm wird und was mir noch an Zeit bleibt, gehe ich Familien besuchen.

Etwas Schönes habe ich vorige Woche erlebt. Als ich dort mit einer Tasche voller Kleider ankam, fragte mich eine ältere Frau, ob ich Kleider mitgebracht habe. Ich sagte: „Ja, Kleider von den Kindern, die ich mit nach Hause nehme möchte, um sie zu waschen.“ Darauf erwiederte sie:“ Geben Sie sie mir, ich wasche sie und wenn Sie am nächsten Mittwoch wieder kommen, gebe ich sie Ihnen sauber zurück“. Dieses Entgegenkommen hat mich tief berührt und ich habe es dankbar angenommen.

Zu den Ställen hinausgehen...ich gehe, weil ich Missionarin bin, aber vor allem, weil dort von Gott geliebte Menschen wohnen und die wie Er keinen Platz in der „Herberge“ finden...

Liebe Mitschwestern, Freunde, Bekannte und Wohltäter, von Herzen wünsche ich Euch und Ihnen frohe und gesegnete Weihnachten!

Vor allem auch ein herzliches Danke, auch im Namen meiner Mitschwestern für Eure treue Unterstützung unserer Mission hier in Rumänien!

Möge unsere Welt durch die Menschwerdung Jesu zu mehr Geschwisterlichkeit und Herberge für die Fremden, Heimatlosen und Ausgegrenzten verwandelt werden! – Gottes Segen und Seine beschütztende Nähe für das Neue Jahr 2020!

Dankbar

Sr. Maria Chiara Ellecosta, SSpS

Roman, im Advent 2019

 

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