Gründung der Steyler Missionsschwestern

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Wichtige Daten:

1837: Arnold Janssen wird in Goch (Niederrhein) geboren
1875: Gründung der „Gesellschaft des Göttlichen Wortes" (Societas Verbi Divini -SVD) in Steyl (NL)
1879: Erste Steyler Missionare (Josef Freinademetz und Johann Baptist Anzer) werden nach China entsandt.
1882: Helena Stollenwerk: (geboren 1852 in Rollesbroich, Eifel) kommt als Küchenmagd nach Steyl
1884: Hendrina Stenmanns: (Geboren 1852 in Issum am Niederrhein) kommt als Küchenmagd nach Steyl
1889: 8. Dezember: Helena (Sr. Maria) und Hendrina (Sr. Josefa) beginnen mit fünf weiteren Kandidatinnen in einem frei gewordenen Kloster das Postulat (Einführung ins Ordensleben); weitere Interessentinnen kommen dazu.
1894: Helena und Hendrina und zehn weitere Novizinnen legen ihre ersten Gelübde als „Dienerinnen des Heiligen Geistes" (Servae Spiritus Sancti = SSpS) ab.
1895: die ersten Steyler Missionarinnen werden nach Argentinien entsandt.
1896: Arnold Janssen gründet die „Steyler Anbetungsschwestern".
1898: Helena Stollenwerk tritt zu den Anbetungsschwestern über.
1900: 3. Februar: Helena Stollenwerk stirbt in Steyl.
1903: 20. Mai: Hendrina Stenmanns stirbt in Steyl.
1908: Josef Freinademetz stirbt in Schantung (China)
1903: Arnold Janssen ernennt Margarete Messner (Sr. Theresia) aus Südtirol zur ersten Generaloberin der Steyler Missionsschwestern.
1909: Arnold Janssen stirbt in Steyl
1975: Arnold Janssen und Josef Freinademetz werden in Rom selig gesprochen.
1995: Helena Stollenwerk wird in Rom selig gesprochen.
2008: Hendrina Stenmanns wird in Steyl selig gesprochen.

„Wir leben in einer Zeit, in der vieles zugrunde geht und anderes dafür neu erstehen muss", antwortete Arnold Janssen dem Erzbischof von Köln, als dieser den Plänen für ein Missionspriesterhaus in Deutschland sehr skeptisch gegenüber stand. Das 19.Jahrhundert mit seinen politischen und sozialen Umbrüchen, vor allem der Kulturkampf in Deutschland, waren für Arnold Janssen kein Grund, sich in die Sakristei zurück zu ziehen, im Gegenteil: sie lenkten seinen Blick zur „äußeren Mission".

1837 in Goch am Niederrhein geboren und 1961 in Münster zum Priester geweiht, war Arnold Janssen zunächst Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften an der Höheren Bürgerschule in Bocholt. Um für die von Frankreich kommende Herz-Jesu-Verehrung und das Gebetsapostolat ganz frei zu sein, gab er seine gesicherte Stellung als Gymnasiallehrer und Seelsorger auf. In einer eigenen Broschüre unter dem Namen „Kleiner Herz-Jesu-Bote" veröffentlichte er spirituelle Artikel, Berichte über die „katholischen Missionen" und vor allem seine Vision: Priester und Seminaristen, die daheim nicht wirken können, sollten in einem Missionshaus auf den Einsatz in überseeischen Gebieten vorbereitet werden, vor allem in China, das schon im 19. Jahrhundert im Zentrum politischer Begehrlichkeiten stand.

Am 8. September 1875 eröffnete er in dem niederländischen Dörfchen Steyl an der Maas, gleich hinter der deutschen Grenze, das erste deutsche Missionshaus. Die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes" („Societas Verbi Divini", SVD), wie die neue Gemeinschaft hieß, entfaltete sich rasch. 1879 reisten die ersten Missionare von Steyl nach China: der Bayer Johann Baptist Anzer, später Bischof von Südschantung, und der Südtiroler Josef Freinademetz, der zusammen mit dem Steyler Ordensgründer am 5. Oktober 2003 heilig gesprochen wurde.

Auch Frauen im Dienst der Verkündigung

Schon vor der Gründung der SVD hatte Arnold Janssen in seinem Missionsblatt mehrmals die Notwendigkeit von Missionsschwestern geäußert. Sie seien die besten „Schrittmacher" für das Evangelium, weil sie in Bereichen wirken könnten, die Männern verschlossen sind.

„Mission" hieß auch die ganze Sehnsucht der jungen Helena Stollenwerk. Geboren 1852 in Rollesbroich in der Eifel, wünschte sie sich seit ihren Kindertagen nichts sehnlicher, als armen Waisenkindern in China zu helfen. Doch es gab im ganzen deutschen Sprachraum kein Institut, das Schwestern in die überseeischen Missionen entsandte, schon gar nicht nach China. Auch ihr Beichtvater hielt nichts von solchen Ideen. Helena blieb nur zu beten, opfern, warten und hoffen gegen alle Hoffnung.

Sie war fast dreißig, als sie vom neuen Missionshaus in Steyl hörte, und schon beim ersten Besuch spürte sie: das ist mein Platz. Arnold Janssen aber hatte noch keine konkreten Pläne für die Gründung einer Schwesterngemeinschaft. Er konnte der missionsbegeisterten Frau vorläufig nur die Stelle einer Magd bei den Vorsehungsschwestern in der Küche anbieten. Die Familie widersetzte sich solchen Plänen, sollte Helena doch einmal den elterlichen Hof samt Gastwirtschaft übernehmen. Trotz aller Widerstände trat Helena am 30. Dezember 1882 den Küchendienst in Steyl an.

Bald gesellten sich weitere Frauen dazu, die Missionsschwestern werden wollten, darunter Hendrina Stenmanns, geboren 1852 in Issum am Niederrhein. Auch ihr schien der Weg zum Ordensleben verwehrt zu sein. Zufällig kam die 32Jährige nach Steyl, wo sie Helena Stollenwerk und den anderen Mägden begegnete, die in der Küche arbeiten. In Hendrina flammte die alte Sehnsucht wieder auf, und schließlich bat sie Arnold Janssen, auch sie als Küchenmagd aufzunehmen.

Doch es vergingen noch weitere fünf Jahre, bis die Gemeinschaft für Missionsschwestern konkrete Gestalt annahm: Am Vorabend des Festes Mariä Empfängnis 1889 zogen Helena und Hendrina mit fünf weiteren Gefährtinnen in ein freigewordenes Kloster ein, um ihr Ordensleben zu beginnen. Weitere Frauen kamen dazu, und am 17. Jänner 1894 legten die ersten zwölf Novizinnen ihre Gelübde ab. „Dienerinnen des Heiligen Geistes" (Servae Spiritus Sancti - SSpS) hatte Arnold die Schwestern genannt. Dieser Name soll Lebensprogramm sein.

In den folgenden Jahren leiteten Helena und Hendrina, nun Sr. Maria und Sr. Josefa gemeinsam die junge, rasch wachsende Frauengemeinschaft. Prägende Gestalt im Hintergrund blieb Arnold Janssen selbst. 1895 traten die den ersten Steyler Schwestern die Reise-die Mission an - nicht nach China, sondern zu religiös vernachlässigten deutschen Auswanderern in Argentinien. Helena war nicht dabei - nun schon zu alt, um der Traum ihres Lebens verwirklichen zu können.

1896 verwirklichte Arnold Janssen eine weitere Idee, die Gründung der „Steyler Anbetungsschwestern", eines kontemplativen Zweiges der Schwesterngemeinschaft. Sie sollten durch Gebet und Opfer das Steyler Missionswerk unterstützen. Sr. Maria, die neben ihrer Missionsbegeisterung immer auch schon einen starken Zug zum beschaulichen Leben hatte, trat 1898 in diese „Klausurabteilung" über. Dort starb sie am 3. Februar 1900 an einer tuberkulösen Hirnhautentzündung.

Währenddessen stand Sr. Josefa weiter die Missionsschwestern vor. 1902 wurde wegen der rasch wachsenden Schwesterngemeinschaft  mit dem eines neuen Klosters begonnen, während Sr. Josefas Leben dem Ende zuging. Ein quälendes Asthma ließ sie das Geschenk des Atems erkennen. Gleich einem „mantra" verband sie damit ihre Bitte um den Heiligen Geist und gab diese Erfahrung als Vermächtnis den Schwestern weiter: „Das ‚Komm, Heiliger Geist' soll das Atemholen einer Dienerin des Hl. Geistes sein." Am 20. Mai 1903 vollendete sich ihr Leben, das von außergewöhnlicher Güte und Mütterlichkeit geprägt war.

,,Ich bin bereit, mich mit meiner ganzen Liebe und meinem ganzen Leben in den Dienst des Evangeliums zu stellen", hatte Helena Stollenwerk einst an Arnold Janssen geschrieben. Dieses Ideal war für sie und ihre Gefährtin Leitstern geblieben, auch wenn es sich scheinbar nicht verwirklicht hat. Es war eine Hingabe, die reiche Frucht gebracht hat: Heute wirken über 3200 „Dienerinnen des Heiligen Geistes" aus fast 50 Nationen in 48 Länder in allen Kontinenten.

Sr. Maria Petra Schüttenkopf SSpS

 

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