MaZ-Berichte

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2. Rundbrief von Bernadette aus Indonesien

Selamat Natal dan Tahun Baru –
Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr!
Der Trubel der Festtage ist vorbei, und ich komme endlich dazu, den neuen Rundbrief zu schreiben, es gibt viel zu erzählen.

Mittlerweile arbeite ich seit vier Monaten als Missionarin auf Zeit im Projekt TRUK (Tim Relawan Untuk Kemanusiaan - Freiwilligenteam für die Menschheit) und habe schon einiges erlebt. Am 1. Dezember – dem Welt-Aids-Tag – fand eine „Roadshow“ statt, bei der unsere Gruppe vom TRUK mit vielen anderen lokalen Einrichtungen zusammengearbeitet hat. Wir waren ein bunter Trupp aus Mitarbeitern verschiedener sozialer Einrichtungen und Vereine, Freiwilligen und Schülern und sind zusammen zu drei Märkten gefahren, um die Menschen zum Thema HIV/AIDS zu sensibilisieren. Allerdings nicht im Auto, sondern auf der offenen Ladefläche eines großen Lastwagens, dazu gab es Livemusik während der Fahrt. Es war wirklich ein besonderes Erlebnis, so die enge Kurvenstraße durch den tropischen Wald entlangzufahren, ich habe mir dabei außerdem einen ordentlichen Sonnenbrand geholt.

Mit den Mädchen, die im shelter wohnen, habe ich jetzt auch dank verbesserter Sprachkenntnisse etwas mehr zu tun. Vier von ihnen wohnen ständig dort, andere kommen und gehen, sind einige Monate dort. Die meisten sind jünger als ich, alle sind Opfer von sexueller Gewalt geworden. Manche wurden von Fremden angegriffen, bei anderen waren es Täter aus der eigenen Familie und zwei von ihnen sind schwanger. Im Alltag lassen sich die Mädchen nicht viel anmerken, aber, um es mit den Worten einer Schwester hier zu sagen, sie tragen innerlich tiefe Wunden mit sich herum. Ich versuche einfach, etwas Zeit mit ihnen zu verbringen und ihnen das Gefühl zu geben, willkommen und wertvoll zu sein, helfe ab und zu beim Kochen oder gebe inoffiziellen Englischunterricht. Einige der Mädchen waren am Anfang noch sehr schüchtern und schweigsam mir gegenüber, doch inzwischen begrüßen sie mich mit einem Lächeln und gehen auf meine Gesprächsversuche ein, was mich wirklich freut. Allerdings ist die Arbeit hier im shelter trotz allem eine große Herausforderung für mich, da ich ziemlich viel auf mich allein gestellt bin und es mir noch schwer fällt, wirklich mit den Mädchen in Kontakt zu kommen.

Anfang Dezember habe ich auch den ersten großen Kulturschock überstanden. Allein in eine neue Kultur hineinzukommen, ist spannend und aufregend aber auch sehr herausfordernd. Es gibt vieles, was ich hier sehr gut finde, mit anderem komme ich schwer zurecht, der Umgang mit der Umwelt beispielsweise hat mich wirklich betroffen gemacht: Plastik wird achtlos an den Straßenrand geworfen und ich werde schon schief angeschaut, wenn ich beim Einkauf die Plastiktüte ablehne. Auch für kürzeste Strecken wird das Motorrad benutzt, entsprechend verschmutzt ist die Luft; aber die Menschen haben einfach dringendere Probleme als den Umweltschutz. Die Mentalität hier fordert mich auch heraus, Pläne ändern sich oft kurzfristig und man geht alles mit einer spontanen und offenen Einstellung an. Manchmal ist das anstrengend, aber so habe ich gelernt, alles gelassener zu nehmen - irgendwie wird es schon funktionieren.

Jetzt aber zum absoluten Höhepunkt der letzten Monate: Meine Weihnachtsferien waren wirklich wunderbar und standen ganz unter dem Motto „mitleben“ (das MaZ-Motto ist „Mitleben – mitbeten – mitarbeiten“). Kurz vor Weihnachten bin ich mit Sr. Yuli aus der Gemeinschaft hier zu ihrer Familie nach Labuan Bajo in den Westen von Flores geflogen, dort habe ich eine Woche bei ihr zu Hause gelebt und mit der ganzen Familie Weihnachten gefeiert. So habe ich eine ganz neue Seite von Indonesien kennengelernt, abseits von Urlaubsparadiesen und Klöstern, ich konnte ganz bei den Menschen im Dorf sein. Ich wurde unglaublich gastfreundlich aufgenommen und habe praktisch zur Familie gehört – das ist wirklich schön an der indonesischen Kultur, man fühlt sich einfach willkommen. Das Leben im Dorf ist sehr einfach, viele der Menschen arbeiten auf den umliegenden Reisfeldern oder haben einen kleinen Kiosk und sind eher arm. Bei den einfachsten Häusern bestehen die Wände nur aus Bambus und statt Türen haben die Zimmer oft Vorhänge. Gekocht wird über offenem Feuer oder auf kleinen Kochern, einen Herd gibt es auch bei uns im Kloster nicht. Trotzdem bekommt man in jedem Haus erstmal eine Tasse Tee oder Kaffee mit reichlich Zucker vorgesetzt und es gibt immer einen besonderen Bereich, wo die Gäste empfangen werden, den „ruang tamu“ (wörtlich „Raum Gast“); Gastfreundschaft wird hier großgeschrieben. Im Dorf wurde ich am Anfang neugierig angeschaut, es ist schon ungewöhnlich, wenn sich eine „Westlerin“ abseits von den Touristengebieten aufhält. Eine Szene ist mir da besonders im Kopf geblieben: Die Nachbarin, eine Muslimin, hat mich sofort umarmt und mit den Worten „I love you!“ begrüßt, wahrscheinlich ihre einzigen Englischkenntnisse.

An Weihnachten habe ich mich vor der versammelten Pfarrgemeinde vorgestellt und war ziemlich viel unterwegs, um mit der Schwester Verwandte und Bekannte zu besuchen und auch mal spontan dort zu übernachten – da ist man flexibel. In dieser Woche durfte ich auch erleben, wie sehr sich die Menschen schon über meine Gegenwart freuen. Ich kann mich zwar nicht groß mit ihnen unterhalten (obwohl mein Indonesisch jeden Tag besser wird), aber ich kann da sein und Zeit schenken. Nach einer Woche ging es mit Übernachtungen in verschiedenen Schwesterngemeinschaften per Bus und Auto weiter in ein anderes Dorf zur Familie von Sr. Marselina, die mich ebenfalls eingeladen hatte. So habe ich Silvester auch im Dorf gefeiert und hatte dort noch zwei schöne Tage unter Obhut der Schwester und ihrer Mutter Maria, die sich um mich wie um eine zweite Tochter gekümmert hat. Anfang Januar bin ich dann nach 11 Stunden Reise in einem überfüllten Bus über enge Kurvenstraßen erschöpft, aber glücklich wieder im Kloster Maumere angekommen.

Und damit wünsche ich Euch allen ein gesegnetes und glückliches 2019 mit so viel Freude, wie Gott mir hier immer wieder schenkt!

Bernadette

Fotos: (zum Vergrößern bitte anklicken)

2. Rundbrief von Johanna von den Philippinen

Liebe alle!

Ich hoffe, ihr hattet besinnliche Weihnachten und einen guten Start in das neue Jahr. Bei mir hat sich in den letzten Monaten einiges getan.

Zuerst ein Bericht von meiner Arbeit im Holy Spirit Social Center.

Das Center bietet Personen die auf der Straße oder in ärmlichen Verhältnissen leben einen Ort um auszuruhen, um Kleidung zu waschen, zur Körperpflege und um Essen zu kochen. Gemeinsam reflektieren wir auch über Träume und Zukunft. Wir wollen ihnen neue Hoffnung schenken und langfristig gesehen etwas bewirken.

Meine Aufgabe ist es, mich mit den Kindern zu beschäftigen. Ich male mit ihnen, bade sie, lese Geschichten auf Tagalog vor oder wir schauen uns Bilderbücher an. Manchmal wird auch Ferngesehen oder ich übe mit den Älteren lesen. Die kleinen Kinder lieben es, in den Arm genommen oder auf dem Rücken getragen zu werden. Oft kann es aber auch sehr chaotisch und lebhaft zugehen. Aufpassen, dass die Kids nicht auf Kästen klettern, die Wände mit Malstiften verschönern oder auf die Straße rennen, stehen ebenso auf dem Tagesprogramm. Das Foto rechts ist etwas verschwommen und deshalb sehr realistisch.

Mein größtes Vorbild für diese auch sehr anstrengende und herausfordernde Arbeit ist Mutter Teresa. Sie sagt, dass wir den Armen nicht nur unsere Hilfe, sondern unser Herz geben sollen. So versuche ich, in jedem dieser „Schlingel“ den kleinen Jesus aus Nazareth zu sehen. Links unten ein Schnappschuss. An diesem Tag hatten wir so viele Kinder bei uns, dass der Platz an den Tischen zum Malen nicht ausgereicht hat.

Leider können wir nur drei Mal pro Woche geöffnet haben, da wir recht wenige „Staff“ sind. An den anderen Tagen müssen wir putzen und vorbereiten. Anliegend an das Center gibt es auch einen Shop mit Produkten aus Mindoro, einer Insel südlich von Manila. Die Arbeit besteht dann aus Aufkleber anbringen, Honig abfüllen, Ingwer sieben oder Schleifen anfertigen.

Dienstag und Donnerstag am Nachmittag bin ich öfters in der Infermery, um mit den alten Schwestern zu plaudern oder den Krankenpflegern bei ihrer Arbeit zu helfen.

Ich durfte mein Weihnachten etwas nördlicher in Capas/Tarlac verbringen. Neun Tage vor dem 24. Dezember gibt es auf den Philippinen die Donmasses. Das bedeutet jeweils eine Messe um vier oder fünf Uhr morgens, und da die Kirchen meist voll sind, ist es empfehlenswert noch früher da zu sein.

In Capas gibt es zwei Wohnheime für Aetakinder. Eines für Primary school studens und eines für High school students. Das Domitory für die ca. 35 Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren wird von einer indonesischen SSpS Schwester geleitet. Dort durfte ich zwei Wochen verbringen.

Die Aetas sind die wahrscheinlich älteste indigene Gruppe auf den Philippinen. Ausgezeichnet durch ihr lockiges Haar (Tagalog: kulot) und ihrer etwas dünkleren Haut leben sie in kleinen Dörfern (Villages) in den Bergen von Luzon. Ich durfte zwei dieser Villages besuchen. Die Anreise war schon ein Abenteuer. Mit dem Truck wurden wir zwei Stunden lang durchgerüttelt. Vertrauen in den Fahrer ist empfehlenswert. Rechts Tarukan, eines der Villages.

Es hat mir sehr große Freude bereitet, in die Aeta Kultur einzutauchen. Mir wurde beigebracht, wie man, der Kultur entsprechend, um ein Feuer tanzt. Dieses Ritual wird vor meetings praktiziert, oder wenn Besuch aus der Stadt kommt. Zur Befreiung vom Schmutz und Stress der Stadt. Normalerweise wird übrigens auch über Feuer gekocht. Gewohnt wird in Häusern aus Bambus.

Die Kinder haben mir kleine Zöpfchen geflochten und gescherzt, dass ich jetzt auch schon eine Aeta wäre, da mein Haar lockig wurde. Als ich mich an der Aeta Sprache versucht habe, haben sie sich ganz besonders gefreut.

Ich durfte die NGO Liwanag kennen lernen. (Deutsch: Licht, hell) Die Mitarbeiter besuchen die Villages und sprechen mit der Community über die bestehenden Bedürfnisse. Als ich zu Besuch war, sind in einem Village gerade Solarplatten installiert worden. Schwer vorzustellen, dass es bis zu diesem Zeitpunkt dort kein künstliches Licht gab. Hier der Link für mehr Infos. (https://www.projectliwanag.org/)

Ich habe mich sehr bald mit den Jugendlichen aus dem Domitory angefreundet. Gemeinsam haben wir einen Ausflug in eine der Shopping Malls nach Tarlac gemacht. Viele von ihnen sind das erste Mal mit der Rolltreppe und dem Aufzug gefahren. Was für eine Aufregung!

Unter den Fotos: Wäsche waschen im Domitory. Wasser gibt es nur durch zwei Pumpen, an Trinkwasser kommt man durch das Filtern des Wassers. Das Wasser zum Kochen, zur Körperpflege oder Toilette wird herausgepumpt und dann in Kübeln zum jeweiligen Ort getragen.

Ich möchte euch an einem kleinen Erlebnis teilhaben lassen, das mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Vor Weihnachten sind die Studenten aufgebrochen, um nach Hause zu gehen. Der Himmel verhieß Regen. Ich habe mich darüber gefreut, da es ziemlich heiß war. Einer der Mitarbeiter meinte aber, ich solle lieber dafür beten, dass es trocken bleibt, denn der mehrstündige Heimweg für die Kinder wäre sonst gefährlich. Die Gewässer, die die Kinder zu Fuß überqueren müssen, wären tief und Erde könnte sich aus den Hängen lösen. Der Regen kam nicht.

Ohne dem Wohnheim in Capas, wäre ein Schulbesuch für meine neu gewonnenen Freunde nicht möglich, da der Schulweg zu lange ist. Bildung ist ganz besonders für die Indigenen wichtig, da es oft zu Konfrontationen mit der Regierung und dem Militär kommt. Ohne dem Wissen um ihre Rechte können sie leicht hintergangen werden und ihr Land verlieren. Die gute Nachricht: In einigen der Villages wurden schon Schulen durch NGOs und den SSpS Schwestern gebaut.

Wir hatten im Domitory ein Weihnachtsfest mit Spielen, Tanz und Karaoke. Dafür besuchten uns die Kinder aus dem anderen Domitory und aus dem nahegelegenen Village Sta. Juliana. Die Kinder konnten ewig einfach an meinen Händen hängen und mich anlächeln. Welche Sprache ich mit ihnen gesprochen habe? 80% die Sprache der Liebe und 20% Tagalog. Als ich mit den Kleinen gespielt und gesungen habe, ist mir so richtig bewusst geworden, wie kostbar, unvoreingenommen und schützenswert jedes ihrer Herzen ist.

Als ich Sta. Juliana besucht hatte und mich eines der Kinder erblickte hörte man schon von weitem: “Ate Joanna ay dito, Ate Joannaaaaa!“ Dann kamen alle auf mich zugestürmt. (Ate=große Schwester, Kuya=großer Bruder, Ate Johanna ist hier!) Sie wollten mich einfach nicht mehr los lassen.

Das war‘s auch schon wieder. Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. (johannadrechsler@gmx.at)

Sommerliche Grüße und bis zum nächsten Mal
Johanna

Fotos: (zum Vergrößern anklicken)

1. Rundbrief von Bernadette aus Indonesien

Hallo zusammen!

Nach über acht Wochen, die ich jetzt schon hier bin, melde ich mich aus dem fernen Indonesien. Ich sitze hier bei mindestens 35 Grad Hitze und wundere mich, wie schnell diese zwei Monate verflogen sind. Mittlerweile bin ich im Alltag angekommen und möchte euch ein bisschen erzählen, wie der so aussieht.

Ich lebe zusammen mit 16 Schwestern in der Kommunität der Steyler Missionsschwestern in Maumere, auf der ostindonesischen Insel Flores. Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt, doch Flores ist – nicht zuletzt wegen der portugiesischen und niederländischen Kolonialisierung – großteils katholisch. Der Glaube zeigt sich hier lebendig im Alltag: In Geschäften hängt ein Kreuz oder ein Jesus-Bild, vor Treffen oder Sitzungen wird gemeinsam gebetet und nicht zuletzt sieht man sehr viele junge Ordensleute. Auch der Sonntagsgottesdienst ist hier sehr wichtig. Alle Menschen tragen ihre beste Kleidung und keine Zeit ist zu früh, um zur Kirche zu kommen: In der nahen Pfarrei fängt die Messe um 6 Uhr morgens an.

Mein Tag beginnt auch immer sehr früh. Zusammen mit den Schwestern und den Mädchen, die hier im Heim der Mittel- und Oberschule wohnen, nehme ich um 5:30 Uhr an der täglichen Messe teil. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit den Schwestern verbringe ich den Vormittag im Projekt. Ich arbeite bei der Nichtregierungsorganisation TRUK F. TRUK F steht für Tim Relawan Untuk Kemanusiaan Flores, was so viel bedeutet wie „Freiwilligenteam für die Menschheit Flores“. Die MitarbeiterInnen dort setzen sich für Menschen ein, die Opfer von Menschenhandel und (sexueller) Gewalt geworden sind, diese werden beraten und beim Prozess gegen die Täter unterstützt. Daneben gibt es dort auch ein kleines geschütztes Wohnheim (Shelter) für die Frauen und Kinder, die aus einem bestimmten Grund nicht mehr zuhause leben können, wenn beispielsweise der Täter aus der eigenen Familie kommt. 

Neben der direkten Unterstützung der Opfer ist die Prävention das zweite große Anliegen von TRUK. In Dörfern und Schulen werden Vorträge zu Themen wie Gewalt, Menschenhandel und HIV/Aids gehalten. Im September fand beispielsweise eine zweitägige Fortbildung für Lehrer aus Dorfschulen statt. Ich konzentriere mich im Moment noch fest darauf, Indonesisch zu lernen, aber ich konnte schon bei vielen Sachen dabei sein. So bin ich mit den MitarbeiterInnen schon in einige Dörfer gefahren, um Mädchen zu besuchen, die von TRUK unterstützt werden. Das Foto oben ist bei einem Ausflug mit den Mädchen zum Strand entstanden.

Auch mit den Schwestern bin ich schon ziemlich viel herumgekommen. Ich habe bereits vier andere Kommunitäten besucht und war bei verschiedenen Festen wie einer Taufe, einer Erstkommunion, einer Priester- und einer Bischofsweihe dabei. So durfte ich in dieser kurzen Zeit schon viel von Land und Leuten sehen. Maumere liegt zwar am Meer, doch schon gleich hinter der Stadt beginnen die Berge. So sind die Straßen hier ziemlich kurvenreich, sie werden gesäumt von Palmen und meterhohen Bambus- und Bananenstauden, dazwischen taucht immer wieder ein Dorf auf. Überall findet man auch kleine Kioske, die alles von Shampoo bis zu den leckeren pisang goreng – frittierten Bananen anbieten. Scheinbar jeder hat hier ein Motorrad, auf dem auch gerne mal zu zweit und zu dritt gefahren wird. Die Menschen begegnen mir oft mit Begeisterung und Neugier – so werde ich auch gleich ausgefragt, woher ich komme, wie viele Geschwister ich habe… Und wenn ich mit meinen wenigen Indonesischkenntnissen nicht mehr weiterkomme, reicht auch ein breites Lächeln – die IndonesierInnen lachen wirklich gern.

Ein Höhepunkt war für mich die Fahrt zum Fatima-Sanktuarium in Lela. Dort wurde die Region, in der Maumere liegt, zum ersten Mal seit mehreren Jahrzehnten wieder der Muttergottes geweiht. Es waren unglaublich viele Menschen aus der ganzen Diözese da und die Zeremonie, die vom Bischof unter freiem Himmel gehalten wurde, hat vier Stunden gedauert. Für mich eine gute Gelegenheit, wieder einmal den tiefen Glauben und die traditionellen Gewänder der EinwohnerInnen von Flores zu bewundern.

Das war’s auch schon von mir und ich sage: Sampai jumpa! Bis zum nächsten Mal!

Bernadette

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1. Rundbrief von Johanna von den Philippinen

Hello sa inyong lahat! Hallo zusammen!

Seit über einem Monat bin ich jetzt schon in Metro Manila, Philippinen. Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht …

Ich möchte gleich zu Beginn das MaZ Programm vorstellen, durch das ich hier als „Missionarin auf Zeit” unterwegs bin. MaZ wird von den Steyler Missionsschwestern angeboten. Es ist ein Programm für junge Leute, die ein Jahr ihres Lebens dazu investieren möchten, um in eine andere Kultur einzutauchen, von den Menschen zu lernen, mit ihnen zu leben, zu beten und zu arbeiten.

Ich habe also beschlossen mich auf dieses MaZ-Abenteuer einzulassen und jetzt bin ich hier, dank vieler, die mich unterstützt haben. Danke für jede Ermutigung, jedes Gebet, jede Spende.

Maraming salamat po.

Die Straßen von Metro Manila waren für mich zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Sie sind fast nie leer. Kein Wunder, da auf einer Fläche von 619,6 km² über 24 Millionen Menschen leben.

Für kurze Strecken wird immer genug Zeit einberechnet, denn es kann immer zu „traffic” kommen. Eines der Haupttransportmittel ist der Jeepney. Ein umgebauter und farbenfroh verzierter Militärtruck, der noch von den Amerikanern stammt, als diese die Philippinen von den Japanern befreit haben. Die Zahlungsmethode im Jeepney erscheint auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich: Das Geld wird mit den Worten „bayad po”, „zahlen bitte” von Fahrgast zu Fahrgast weitergereicht, das Retourgeld bekommt man auf dem selben Weg. Ich habe Hochachtung vor den Fahrern, die zugleich lenken, halten (wenn sich ein Fahrgast meldet oder ein Fahrgast auf der Straße steht und mit möchte), das Geld entgegen nehmen und das richtige Wechselgeld heraussuchen. Eines habe ich gelernt: Wenn man denkt, der Jeepney oder der train wäre schon voll, gibt es immer noch Platz.

Das Straßenbild wird nicht nur durch extremen Traffic geprägt, sondern auch durch die unzähligen ärmlichen Blechhütten, die sich oft direkt neben luxuriösen Wohnhäusern befinden. Ein Bild, das die weit geöffnete Schere zwischen Arm und Reich nur zu gut beschreibt …

Ich wohne und arbeite bei den Holy Spirit Missionary Sisters im bevölkerungsreichsten Stadtteil Quezon City. Vormittags habe ich vier mal in der Woche drei Stunden Einzelunterricht mit teacher Cecil. Sie hat es sich als pensionierte Lehrerin zur Aufgabe gemacht, MissionarInnen Englisch oder Tagalog Unterricht zu geben.

Beim Erlernen der Sprache hilft mir die Offenherzigkeit und Hilfsbereitschaft der Filipinos sehr. Bei Fragen findet sich immer eine Coworkerin oder Schwester, die mir bereitwillig hilft. Zweimal war ich jetzt auch schon in der Schule der Schwestern, um mit den Kindern zu spielen und mir mit meinem Tagalog helfen zu lassen.

Meistens wird ein Mix aus Tagalog und Englisch gesprochen, der Taglish genannt wird. Außerdem wurden viele spanische Wörter in die Sprache aufgenommen, da Spanien die Philippinen über 300 Jahre als Kolonialmacht besetzt hatte. Der tiefe katholische Glaube kommt ebenfalls noch aus dieser Zeit.

Nachmittags helfe ich im Holy Spirit Social Center, das auf dem Grundstück der Schwestern liegt.

Dieser Ort der Erholung und Erfrischung für „homeless people” wurde die letzten zehn Monate renoviert und vergrößert. Sonntag, 7.Oktober, wird das Center feierlich eröffnet und gesegnet. Die Vorbereitungen laufen auf Hochturen. Es wird viel geputzt, Kästen werden neu gestrichen, Sessel gestapelt, Präsentationen erstellt, ...

Auf dem Foto seht ihr meine Arbeitskollegin Grace und mich, wie wir in einer Arbeitspause in die Selfie-Kamera lächeln. Die Besen in unseren Händen nennt man „Walis ding-ding”. Sie wurden aus Kokosnusspalmen angefertigt und eignen sich sehr gut dazu, Wasser oder Blätter zu kehren. Wasser zu kehren wird manchmal notwendig, da das Regenwasser oder das Wasser, das durch das Putzen anfällt, sehr schlecht abfließt.

Ich hoffe ich konnte euch soweit einen kurzen Überblick von meiner Arbeit geben.

Und noch etwas: Seit Anfang September sind die Shopping Malls weihnachtlich geschmückt und aus den Lautsprechern tönen Weihnachtslieder.

Merry Christmas everyone. :)

Hanggag sa susunod, bis zum nächsten Mal!

Fotos: (zum Vergrößern anklicken)

2. Rundbrief von Ola aus Ghana

“Kusunkwanga”. “I am better” (in Englisch)

Before starting my MaZ experience, I was dreaming about staying in a place far away from everything what has been known to me. While already in Ghana, I got this chance during my stay in SSpS community in Wiaga, a village in the northern part of the country, very close to the border with Burkina Faso. Life there is a typical countryside one: majority of people is farming, but due to dryness and short rainy seasons it is not an easy task at all. Soil is not very good, which highly influences the general standard of living. Poverty is truly visible as well as the fact that people cannot really eat properly. Here for the first time I could see the traditional Ghanaian houses and I was amazed- no water, no electricity, but the way how wisely everything is organized is so impressive. Very remarkable experience was meeting with a chief of Wiaga- local highest authority responsible for current issues, who discusses, decides and solves problems from the area. Again, what could come to my mind as a European, hearing the “chief” the image was an old person in colorful clothes and painted body. The reality was that a middle age man in jeans and T-shirt, speaking fluently English greeted me with a smile on his face and welcomed wholeheartedly.

Every time I look at people in Wiaga and observe their life, I am so grateful that even for a short time, I can at least in some way, be a part of it. I noticed that it is a great joy for them when I try to at least greet them in local language. Their strong bond to culture, language and broadly understood cultural heritage is impressive. I could attend a funeral where every little gesture or object has a deeper meaning. It is really advisable to respect and ask for explanations of all these things and surely it is another way to make them proud, appreciated and happy. One lady whom I visited was very glad to give me some food and then explain how particular dishes are used. The way it is planned and was created is very creative and useful at the same time. Culture is very enriching but the willingness to learn new is also there. It happened to me that the child met on the sandy road asked for any book because he would like to read at home. I was also asked to show how to write or develop reading skills. Another example is that one of the Sisters started a catering and sewing course for women. They became coming hours before opening time and stayed long after closing, because they liked it so much and wanted to learn more and more.

The work of Sisters is very much appreciated. Even when I used to help small in the clinic or school, or do some social work, people will never forget to say thank you. Life there is not easy: shortage of medicines, not enough money for health insurance, hunger, old widows left without support… These are just few examples. But if you ask anyone how does one feel, they will always answer “kusunkwanga” which means “I am better”.  This is exactly what I would mostly like to learn from Wiaga: to always have hope and trust for a better tomorrow.

Fotos zum Rundbrief: (zum Vergrößern anklicken)

Infowochenende für MaZ (Missionare auf Zeit)

Uns Steyler Schwestern ist es wichtig, jungen Menschen die weltweite Dimension von Glaube und Kirche und die Lebenssituationen der Menschen in anderen Ländern erlebbar und erfahrbar zu machen. Jährlich werden im MaZ-Programm einige vorbereitet und im Einsatz begleitet.

Am Wochenende von 19.-21. Jänner 2018 gab es eine Premiere. Das erste Mal fand ein MaZ-Informationswochenende bei uns in der kleinen Gemeinschaft in Innsbruck statt. Eine Interessentin und Rückkehrerinnen sind von ganz verschiedenen Ecken Österreichs dafür angereist: aus Südtirol, Niederösterreich und Vorarlberg.

Gemeinsames Gebet und das Reflektieren über die im MaZ-Kontext so wichtigen Begriffe wie „Mission“ und „Sendung“ mit den entsprechenden biblischen Bezügen gehören zu so einem Wochenende wesentlich dazu. Die Präsentationen der Erlebnisse der „Alt-MaZe“ aus ihren jeweiligen Einsatzländern waren weitere Ecksteine für das Gelingen dieser Tage. Die Präsentationen über MaZ-Einsätze in Mosambik, Indien und Togo-Benin haben wieder einmal gezeigt, wie bunt und vielfältig, wie herausfordernd aber immer auch schön ein solches Jahr des Mitlebens, Mitbetens und Mitarbeitens mit uns Steyler Missionsschwestern sein kann.

Für das MaZ-Team ist so ein Wochenende immer wieder eine Bereicherung und eine Chance selber in alten Erinnerungen zu schwelgen und gleichzeitig die Freude an MaZ den diesjährigen Interessentinnen weiterzugeben.

Nach dem Sonntagsgottesdienst in der Herz-Jesu Kirche hier in Innsbruck, den wir musikalisch gestaltet haben, hat sich unsere Gruppe noch um eine MaZ-Rückkehrerin aus Deutschland erweitert, die schon länger zum Studium hier in Innsbruck ist.

Dieses Erlebnis hat uns alle gezeigt, dass sich bei MaZ vieles spontan ergibt und wir solche Begegnungen als Geschenke annehmen und uns darüber freuen dürfen!

Sr. Christina Blätterbinder SSpS
MaZ-Verantwortliche, öst. Provinz

Fotos: (zum Vergrößern anklicken)