Mission - der bleibende Auftrag

tl_files/missionsschwestern/file_uploads/Logos/treueimwandel_web2.jpg„Geht hinaus in alle Welt, macht alle Menschen zu meinen Jüngern und tauft sie..." sagt der Auferstandene laut Matthäus 28,19, bevor er endgültig den Blicken seiner Jünger entschwindet. Zweitausend Jahre bleibt dieser Missionsauftrag Jesu Triebfeder für seine Nachfolger. Mittlerweile hat das Christentum alle Kontinente erreicht und scheint allgegenwärtig zu sein: Kreuze auf den höchsten Gipfeln der Berge und kolossale Christusstatuen, Papstmessen mit Hunderttausenden Gläubigen aus aller Herren Länder auf dem Petersplatz oder irgendwo in der Welt, kircheneigene Fernsehstationen und unzählige religiöse Internet-Portale... Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung sind Christen, darunter bilden die Katholiken mit 1,18 Milliarden die größte Gemeinschaft.

„Mission" ist derzeit allerdings nicht „in". Die Missionsgeschichte weist neben viel Licht auch viel Schatten auf. Vor allem die unselige Verquickung von politischen, wirtschaftlichen und religiösen Zielen in den Kolonialgebieten, das Unverständnis für die lokalen Kulturen und Ausbeutung der Länder wirken bis in die Gegenwart nach. Dazu leere Kassen, fehlende Priester- und Ordensberufe, verdunstendes kirchliches Leben, Zulauf zu Sekten und anderen Religionen hierzulande. Was soll man da noch an andere Länder denken oder gar „in die Mission gehen"?! Wir brauchen die wenigen Kräfte zu Hause, und die Menschen „dort" sollte man lieber in Ruhe lassen, heißt es.

Mission: die Sendung Jesu weiterführen

Doch Mission (missio = Sendung, Auftrag) ist kein selbstgewählter Job. Der Missionar, die Missionarin, ist ergriffen, erfüllt und gesandt vom Geist Jesu, spricht und handelt in dessen Auftrag.

Jesus von Nazaret selbst versteht sich als Gesandter des Vaters und umreißt seinen Auftrag mit den Worten des Propheten Jesaia: „Der Geist des Herrn ist auf mir denn er hat mich gesalbt und gesandt, Armen eine frohe Botschaft zu bringen, Gefangenen Befreiung und Blinden das Augenlicht, Gequälte zu entlassen in Freiheit und auszurufen ein Gnadenjahr des Herrn." (Lk 4,18-20). Erfüllt vom Geist verkündet er (und provoziert damit die „Gerechten"): Gott ist ganz anders ‑ ein guter Vater, der will, dass alle Menschen gerettet werden und das Leben finden, Leben in Fülle (Joh10,10). Am Tisch im Reich Gottes ist Platz für alle ‑ Arme; Kleine, Frauen, Kinder, Blinde, Lahme, Sünder, Ausgestoßene und Ausländer. Jesus verkündet nicht nur die rettende Liebe Gottes, er lässt sie ganz konkret erfahren: Menschen werden von Krankheiten geheilt, von fesselnden, lähmenden Mächten befreit, in die Gemeinschaft zurück geholt, Sünder dürfen sich aufrichten und neu beginnen.

Jesus lässt auch seine Jünger und Jüngerinnen an seiner Sendung teilnehmen (vgl. Lk 9,1-6). Vor seinem Tod zeigt er in der Fußwaschung unmissverständlich seinen letzten Willen: „Was ich euch getan habe, sollt auch ihr tun" (Joh 1,3)" Markenzeichen der Freunde Gottes sind fortan großzügige Bereitschaft, Einsatz für andere ‑ bis zur Hingabe des Lebens, schenkende, verzeihende Liebe, Versöhnung und Frieden. Nach Ostern erneuert der Auferstandene den Auftrag: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." ‑ „Ihr sollt meine Zeugen sein." ‑ „Macht alle Menschen zu meinen Jüngern." - „Geht in alle Welt und verkündet die Frohe Botschaft allen Geschöpfen!"
(vgl. Joh 20, 19ff, Mk 16,15f; Apg. 1,1-14).

Mission: Wesensmerkmal der Kirche

Die Kirche als Gemeinde Jesu Christi ist demnach von ihrem innersten Wesen her berufen, diesen Auftrag weiter zu führen, wie dies auch das II. Vatikanische Konzil betont hat. In ihr sollen die Menschen Gottes heilende, befreiende und barmherzige Zuwendung und Liebe erfahren. Wo die Kirche oder eine Gemeinde nicht mehr daran mitwirkt, verfehlt sie den Grundauftrag Jesu. In der Missionsenzyklika REDEMPTORIS MISSIO (1990) heißt es: „In der Geschichte der Kirche ist die Befolgung des missionarischen Auftrages immer ein Zeichen kraftvollen Lebens gewesen, wie die Nachlässigkeit diesem gegenüber Zeichen einer Glaubenskrise ist."

(Einleitung 2). Ebenso betont Papst Benedikt XVI., dass Mission weiterhin zentrale Aufgabe der Kirche bleiben müsse. Und er fordert die enge Verbindung von Mission und Hilfe für Arme und Notleidende: Die Glaubensverkündigung müsse stets auch zur Verbesserung der Lebensbedingungen in jenen Ländern beitragen, die unter Armut, Unterernährung und Krankheiten litten. Es sei nicht hinnehmbar, wenn in der Glaubensverkündigung die menschliche Entwicklung, die Gerechtigkeit sowie die Befreiung von jeder Form der Unterdrückung vernachlässigt würden (Botschaft zum Sonntag der Weltmission 2011).

Das heißt aber auch, dass man Seelsorge/Verkündigung und sozial-caritativen bzw. humanitären Einsatz nicht gegeneinander ausspielen kann! Es geht immer um den ganzen Menschen - Leib, Geist und Seele. Durch alle Jahrhunderte war das Wachstum der Kirche mit den Werken der Barmherzigkeit verbunden. Mission ist nicht Aufdrängen der eigenen Überzeugung, sondern einfühlsames Zuhören und Gesprächsbereitschaft, Wahrnehmen der Fragen und Nöte, und Weitergeben der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, die man selbst empfangen hat.

Sr. Maria Petra Schüttenkopf SSpS

 

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