Das war Oies 18... - Fußwallfahrt auf den Spuren des heiligen Josef Freinademetz

In Südtirol steht kaum eine Kirche oder Kapelle, in der kein Bild des Steyler Heiligen zu finden ist. Zum 31. Mal fand in diesem Sommer wieder die Fußwallfahrt auf seinen Spuren durch die Südtiroler Berge statt. Sr. Michaela, Steyler Missionsschwester aus Deutschland, gibt uns einen Einblick, wie sie persönlich diese Woche erlebt hat.

Josef Freinademetz wurde 1852 in Oies, einem kleinen Weiler in den Südtiroler Bergen geboren. Gleich unterhalb des 2907 Meter hohen Heiligkreuz-Kofels in den Dolomiten spielten sich die ersten Jahre seines Lebens ab. Wo man auch hinblickt: Berge. Wie leicht könnte man meinen, hinter diesem Gadertal hört die Welt auf. Doch Josef wusste, es gibt noch viel mehr, und Menschen, die so ganz anders leben, denken und glauben als er. Zu ihnen wollte er, um ihnen das zu bringen, was ihn selbst erfüllte: den Glauben.

Josef Freinademetz wurde einer der ersten Steyler Missionare in China - und dazu noch ein heiliger. Doch der Weg dorthin war lang und beschwerlich. Josef war ein Missionar seiner Zeit. Er träumte von „Heidenkindern“, die ihm sehnsuchtsvoll die Arme entgegenstrecken. Doch schon bald musste er erfahren, dass in der konfuzianisch geprägten Kultur er selbst der Heide war. Man schimpfte ihn „Teufel“, machte sich über die Langnase lustig, tat ihm Gewalt an, wollte nichts von ihm, geschweige denn Jesus, wissen. Auch Josef konnte anfangs nichts Gutes an den Chinesen finden und vermisste seine tief katholische Heimat schmerzlich. Es war ein langer Weg der Wandlung, in der er sich nicht nur äußerlich in Kleidung, Sprache, Essen und Verhalten den Chinesen anglich, sondern auch innerlich seine Haltung wandelte und die Chinesen aufrichtig zu lieben begann. Berühmt ist sein Ausspruch: „Im Himmel möchte ich ein Chinese sein.“

Was hat die bewegte Lebensgeschichte des heiligen Josef Freinademetz mit mir persönlich zu tun? Das war eine der Fragen, die sich viele von uns stellten, als wir unsere gemeinsame Pilgerwoche im Haus der Steyler Missionsschwestern in Sterzing begannen. Unsere Gruppe setzte sich aus 14 Pilger*innen zwischen 4 und 68 Jahren zusammen, unter ihnen auch Sr. Hemma Jaschke und P. Franz Pilz, die die Wanderung schon seit vielen Jahren gemeinsam begleiten. Eine sehr gemischte Gruppe – verschieden nicht nur im Alter, sondern auch in der Herkunft und in dem, was unseren Alltag außerhalb einer solchen Woche ausmacht. Und so wurde der Weg des Freinademetz, den wir in dieser Woche auch innerlich nachgingen, auch unser Weg: nämlich ein Weg mit den anderen und dem Anderen.

Erste Station war ein Tagesausflug nach Brixen, wo Freinademetz die Schule besucht sowie zum Priester ausgebildet und geweiht wurde. Im Stadtteil Milland befindet sich die Freinademetz Kirche mit einer spannenden Ausstellung über sein Leben in Südtirol und seine Mission in China. Doch setzten wir uns nicht nur mit der Mission anno dazumal auseinander, sondern besuchten auch einen missionarischen Brennpunkt unserer Tage: Das „Haus der Solidarität“, einer Herberge für Geflüchtete und andere Menschen in Not. Anschließend wagten wir mit dem Europa-Besinnungsweg den ersten kleineren Aufstieg.

Die darauf folgenden Tage ging es dann zu Fuß von der Zannser Alm mit Zwischenstopp in Campill nach Oies. Wunderschöne Ausblicke entlohnten dabei so manchen beschwerlichen Aufstieg. Gestaunt haben wir aber auch über die Kondition unserer Ältesten wie Jüngsten. Immer wieder machten wir Rast, um miteinander zu beten – oder aufeinander zu warten und einander zu ermutigen. Unseren Proviant, die Jause, teilten wir untereinander auf – jede*r soviel sie/er konnte – und trugen so füreinander und miteinander, was uns stärkte. In Oies blieben uns dann noch zwei weitere Tage, in denen wir uns das Geburtshaus des heiligen Freinademetz erkundeten, in seinem Geburtszimmer Messe feierten, zur Wallfahrtskirche Heilig Kreuz wanderten, miteinander kochten und immer wieder auch Zeit zum Alleinsein oder für Gespräche fanden.

Der heilige Josef Freinademetz ist ein Mann, der beeindruckt. Dessen Leben uns von Mut zum Aufbrechen, zur Begegnung mit dem Fremden, zum Sich-selbst-Wandeln und dabei Gott treu bleiben erzählt. Und, er ist ein Mann, der 14 Menschen für eine Woche miteinander auf einen Weg gebracht, den sie nicht mehr vergessen werden. Und das sind nur einige Antworten….

Michaela Leifgen SSpS

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