Der heilige Koloman

tl_files/missionsschwestern/file_uploads/gemeinschaften/koloman_legende.jpgÜber das Leben des heiligen Koloman, der Legende nach irischer (oder schottischer) Königssohn und auf der Pilgerschaft nach oder von Jerusalem in Stockerau getötet, ist wenig bekannt.

Die Chroniken berichten: Am Abend des 16. Juli 1012 tauchte in Stockerau ein Fremder auf, der durch seine ungewöhnliche Kleidung und unverständliche Sprache sofort das Misstrauen der Anwesenden weckte Es herrschte Krieg, und gerade um den Wiener Raum gab es immer wieder Kämpfe. So vermutete man in dem geheimnisvollen Fremden einen Spion, der sich scheinheilig im Gewand eines Pilgers verbarg. Mit grausamenFoltern versuchten die Verantwortlichen von dem Fremden ein Geständnis zu erzwingen Als er trotz aller Torturen bei seiner Aussage blieb, dass er nichts anderes als ein Wallfahrer sei, wurde er am folgenden Tag an einem verdorrten Holunderbaum gehenkt, nach anderen Vermutungen einfach erschlagen.

Nach der Legende geschahen an jener Stelle bald seltsame Dinge: der verdorrte Baum begann zu grünen, die Leiche verweste nicht und wurde von den Raubvögeln nicht berührt. Als durch Berühren des Leichnams auch noch einige Heilungswunder geschahen, erkannten die Stockerauer ihren verhängnisvollen Justizirrtum und bestatteten den Fremden mit allen Ehren in einer urkundlich bezeugten Kapelle in der Nähe. Am 13. Oktober 1014 wurden die Gebeine Kolomans ins Benediktinerkloster Melk überführt, wo sie bis heute ruhen.

1643 übernahmen die Franziskaner von Klosterneuburg die Kolomanikapelle samt dem beiliegenden Friedhof und halfen in der Seelsorge in Stockerau aus. An der Stelle des Kirchleins entstanden ein stattliches Gotteshaus und ein Kloster.

1784 hob Josef II. das Kloster auf; die Franziskaner mussten ihr Heim verlassen, das nun als Kaserne dienen sollte. Bald ging aber das schon stark beschädigte Gebäude in Privatbesitz über. Einige Zeit befand sich eine Seidenbandfabrik darin. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts verfielen die Mauern immer mehr. Die Trümmer lieferten der Umgebung kostenloses Baumaterial, bis Kirche und Kloster endgültig vom Erdboden verschwunden waren. Nur einige Nebengebäude - und der Name „Klösterl" ‑ blieben erhalten.

Obwohl nie formell heiliggesprochen, blieb die Verehrung des Pilgers in Stockerau lebendig. Der 13. Oktober, Tag der Überführung der Gebeine nach Melk, wird seit 1244 Gedenk- und Namenstag begangen. Seit 1244 war Koloman sogar Landespatron von „Österreich ob und unter der Enns", bis er 1663 als Landespatron vom heiligen Leopold abgelöst wurde. Er ist aber weiterhin der Patron von Stockerau und von Stadt und Stift Melk. Er gilt auch als Schutzheiliger der zum Tod durch den Strang Verurteilten, der Reisenden und des Viehs. Ferner soll er auch gegen Krankheiten, Kopf- und Fußleiden, Pest, Unwetter, Feuersgefahr, Ratten- und Mäuseplagen beistehen. Seine Attribute kennzeichnen ihn als Pilger: Hut, Mantel, Stab und Flasche, manchmal wird er auch noch mit einer Schlinge in der Hand dargestellt.

Sr. Maria Petra Schüttenkopf SSpS


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