Olá, boa tarde! Tudo bem?

MaZ Elisabeth berichtet aus Angola.

Ich bin jetzt schon genau ein Monat in Angola. Die Zeit ist wahnsinnig schnell vergangen und trotzdem fühlt es sich so weit weg an, dass ich vor Kurzem noch in Wien war. Ich bin einfach schon voll hier angekommen und genieß es gerade so, hier zu sein und das alles erleben zu dürfen!

Viel trägt dazu auch meine Arbeit im Gesundheitszentrum bei. Jeden Tag freu ich mich drauf, da wieder hinzugehen und so viel Neues zu lernen!

Vielleicht mal kurz eine Einführung in dieses „Centro de Saúde“. Auf dem Gelände, wo sich die Kirche, das Haus der Schwestern und das Haus der Pfarrer befinden, ist auch das Gesundheitszentrum, das quasi von den Schwestern geleitet wird. Allerdings arbeitet dort, soweit ich das verstanden habe, auch vom Staat gezahltes Gesundheitspersonal, eine der Schwestern ist aber für die ganze Administration zuständig und eine ist Physiotherapeutin im Zentrum. Weiters gibt es Ambulanzen für Allgemeinmedizin, Augenärzt*innen, Zahnärzt*innen, Kinderärzt*innen und die Gynäkologie, wo auch die Schwangerenvorsorge dabei ist. Es ist aber kein Spital und es gibt keine Stationen, also wirklich nur Ambulanzbetrieb.

Als Hebamme darf ich eben bei der Schwangerenvorsorge, die auch von Hebammen geleitet wird, dabei sein. Ein Monat wurde ich da jetzt eingeschult und war je eine Woche bei einer der drei Hebammen mit dabei. Auch wenn das anfangs eigentlich nicht so gedacht war, habe ich jetzt in den letzten Tagen sogar schon „alleine“ die Vorsorgeuntersuchungen gemacht, als Vertretung, wenn eine der Hebammen nicht da war. Natürlich konnte ich mich aber immer bei Fragen oder Unsicherheiten an meine Kolleginnen wenden. Was sind da so meine Aufgaben und wie läuft das ab?

Zur Feststellung der Schwangerschaft und des Geburtstermins wird immer ein Ultraschall von einem Radiologietechnologen gemacht. Anschließend kommen die Frauen zu den Hebammen, dort bekommen sie den Mutterkindpass ausgestellt und dann wird bis zur Geburt laufend jeden Monat eine Kontrolluntersuchung gemacht. Das heißt das Gewicht und der Blutdruck wird gemessen. Der Bauch wird abgetastet, um die Position des Kindes zu ermitteln, man hört die Herztöne und misst mittels Maßband, ob der Bauch entsprechend der Schwangerschaftswoche gut gewachsen ist. 

Ganz anders als bei uns sind die ganzen Medikamente und Impfungen zur Prophylaxe verschiedener Tropenkrankheiten. Das war neben dem sprachlichen Verständnis die größte Herausforderung für mich. Ebenso welche Labortests man bei welchen Symptomen anordnet und wann welche Medikamente von den Hebammen verschrieben werden. Die Anzahl der Kinder und das Alter der Schwangeren ist natürlich auch ganz anders, als ich das aus Österreich gewohnt bin. Ich werd oft auch ganz ungläubig gefragt: “ Du bist 21 und hast immer noch kein Kind?!“

Dass es manchmal an finanziellen Mitteln mangelt, um eine Laboruntersuchung zu machen, um zu prüfen, ob eine Malariaerkrankung vorliegt oder nicht, schockiert mich immer wieder. Denn diese Laboruntersuchungen, genauso wie den Ultraschall müssen die Frauen selbst bezahlen. Die Medikamente sind hier hingegen meist sehr leistbar.

Mittlerweile versteh ich ganz gut portugiesisch und kann mich auch verständigen. Es kommt aber immer wieder vor, dass man nochmal nachfragen muss, wie etwas gemeint war, und so.

Vielleicht ist das noch ganz interessant zu erzählen, wie ich denn als weiße Person in dieser Rolle als Hebamme wahrgenommen werde. Ich werde oft automatisch als „Doutora“ (Ärztin) angesprochen und möchte dann immer betonen, dass ich „nur“ Hebamme bin. Als ich das erste Mal „meine eigenen Frauen“ übernommen habe, hat man ihnen angemerkt, dass sie da gar nicht happy waren. Eher misstrauisch – und zur Hebamme gemeint haben „ich will aber zu dir, die kann wahrscheinlich gar kein Portugiesisch und ich versteh kein Englisch“. Aber im Laufe der Gespräche konnten wir dann doch ein Vertrauen aufbauen, ich konnte mir die Zeit nehmen auch alle ihre Fragen zu beantworten und das war am Schluss ein richtig schönes Gefühl! Dazu braucht es aber Offenheit und Mut von beiden Seiten, aufeinander zuzugehen. Ich glaube, wir können da alle noch dazulernen!

Alles, alles Liebe und schönen Advent mit hoffentlich viel Schnee, von dem ich hier nur träumen kann,

eure Elisabéthi