Mit dem kubanischen Volk unterwegs

Nach der Ablegung meiner Ewigen Gelübde im September 2023 bin ich Mitte Jänner 2024 in meinem Missionsland Kuba angekommen.

Nach meiner Ankunft am Flughafen in La Habana, wie die kubanische Hauptstadt hier genannt wird, haben mich die Mitschwestern unserer Gemeinschaft dort sehr herzlich empfangen. Auch die Mitglieder der Pfarrgemeinden Santa Lucia, Nuestra Señora del Sagrado Corazón de Jesús, El Señor del Santo Calvario y Nuestra señora de Fátima de Ciudad Jardín sind mir mit viel Offenheit und Freude begegnet.

Ein schöner Ausflug mit der Gemeinschaft und die Zusammenarbeit mit unseren Brüdern und den freiwilligen Mitarbeiter:innen im Comedor (Küche mit Essensausgabe) in La Habana waren für mich die prägendsten Erfahrungen der ersten Wochen.

Außerdem habe ich gemeinsam mit einer indonesischen Mitschwester mit meinem Spanischkurs begonnen. Langsam habe ich auch angefangen mit unseren Nachbar:innen und den verschiedensten Menschen, die zu uns ins Haus kommen, Kontakte zu pflegen. Einige davon nehmen regelmäßig an der Messe teil, zu der wir jeden Montag einladen. In dieser Zeit der Anpassung und Eingewöhnung in eine neue Sprache hilft es mir sehr, dass ich gerne mit Menschen spreche, obwohl ich im Spanischen noch viele Fehler mache. Die Feier der Ewigen Profess unserer Sr. Edisley, der ersten SSpS aus Kuba, am 17. Februar 2024 in der Kathedrale San Salvador in Bayamo, war zweifelsohne eine sehr prägende Erfahrung für mich.

Alle Schwestern mit Bischof

Während dieser Feier habe ich mich an meine eigenen Ewigen Gelübde erinnert, die ich 5 Monate zuvor in unserem Provinzhaus in Stockerau abgelegt habe.

Die Fastenzeit und die Karwoche mit den Menschen zu verbringen war eine weitere Möglichkeit das Leben zu feiern und mit den Menschen hier mein Leben zu teilen, inmitten all der Schwierigkeiten mit denen das kubanische Volk konfrontiert ist (Engpässe bei Nahrungsmittel, Benzin und oft stundenlange Stromausfälle). Als gläubige Christ:innen wissen wir, dass die Dunkelheit und das Kreuz (anders gesagt: die Schwierigkeiten unseres Lebens) nicht das Ende sind, sondern vielmehr der Beginn von etwas Schönem und Neuem, voll Hoffnung für die ganze Welt. Aus ganzem Herzen wünsche ich allen diese grundlegende Erfahrung der Auferstehung Jesu im eigenen Leben mitten im Alltag!

Kurz nach Ostern kam Schwester Mariana Camezzana SSpS, Mitglied unserer Generalleitung aus Rom, um uns in unseren Exerzitien zu begleiten. Die Exerzitien haben in Peñalver, einem Haus der Salesianerinnen in der Umgebung von La Habana stattgefunden. Diese Zeit der Stille und des Gebets waren für mich ein großes Geschenk. Ich konnte darüber nachdenken, wie ich meine Gottesbeziehung inmitten all dieser neuen Erfahrungen hier in Kuba leben kann. Direkt anschließend an die Exerzitien, fand dann im selben Haus auch unser Regionalkapitel statt.

Alle Schwestern der Provinz

Während der drei Tage des Kapitels haben wir im Geist Gottes, der uns alle verbindet, zurückgeschaut: Was ist seit dem letzten Kapitel alles geschehen? Weiters haben wir auch in die Zukunft geschaut: Wie können wir mit Gottes Hilfe einen guten Weg weitergehen?

Seit Ende April lebe ich nun an meinem eigentlichen Bestimmungsort hier in Kuba, in unserer SSpS-Gemeinschaft in Nicaro, in der Diözese Holguín, im Osten der Insel. Auch hier hatte ich schon die Möglichkeit mich an der Schönheit der Natur zu erfreuen, und viele liebenswerte Personen kennenzulernen. Ich kann hier mit meinem Spanischkurs weitermachen. Dank meiner profesora, wird es mir hoffentlich gelingen, meine Sprachkenntnisse zu vertiefen und mich mit den sehr speziellen Cubanismos (Eigenheiten der spanischen Sprache in Kuba) vertraut zu machen. Neben der Mitfeier der Gottesdienste im den verschiedenen Teilgemeinden, bei denen die Segnung der Menschen einen wichtigen Platz einnimmt, bin ich seit kurzem in der Kinderkatechese aktiv.

Ich bin gerne mit den Kindern unterwegs und es macht mir große Freude, in ihnen das Interesse für Jesus und sein Leben zu wecken.

Die Kinder sind meine Spanischlehrer:innen und korrigieren meine Fehler. Für mich ist das eine sehr gute und fruchtbare Zusammenarbeit!

Ich möchte Sie/Euch einladen, mit uns Schwestern hier in Kuba und weltweit zu beten, dass wir die uns anvertrauten Menschen gut begleiten können. Und damit sie den richtigen Weg in ihrem Leben erkennen und das Wispern und die Hilfe des Heiligen Geistes in ihrem Leben spüren können, wenn sie ihn am meisten brauchen. Als Dienerinnen des Heiligen Geistes sehe ich unser Leben und unsere Mission als ein Geheimnis Gottes. Es ist ein Geschenk und gleichzeitig eine große Aufgabe.

Ich möchte mit einem Zitat enden, das ich kürzlich gelesen habe: „Ein Freund hat das, was dir fehlt“. Ich wünsche uns allen, dass Gott immer dieser Freund sein möge und dass wir erfahren können, dass er jeden Tag, jede Stunde und jeden Moment unseres Lebens mit uns geht! Danke. ¡Muchas gracias!

Sr. Christina Blätterbinder SSpS