Missionarisches Wirken in Österreich
Der Nachmittag des Missionstags am 26. November 2025 im Rahmen der Ordenstagungen stand ganz im Zeichen persönlicher Berichte von Ordensleuten, die definierten, was missionarisches Wirken für sie bedeutet. Da sie zum Teil aus unterschiedlichen Kulturen stammten, bekamen die Teilnehmenden auch Einblicke in ihr Ankommen in einem neuen Land.
Offene Räume für junge Menschen
Zu Beginn erläuterte P. Johannes Haas, Salesianer Don Boscos, seinen persönlichen Zugang zu missionarischem Handeln. Mission bedeute für ihn vor allem, suchend zu bleiben, durch Präsenz wirksam zu werden und für andere da zu sein.
P. Johannes schilderte verschiedene Projekte, mit denen die Salesianer Don Boscos Räume für junge Menschen schaffen – von „Giovannis Wohnzimmer“ über „Pasta & Bosco“ bis zur „LernBar“. Alle Angebote seien niederschwellig und offen für alle. In seiner Arbeit in der Jugendpastoral und Ausbildung – unter anderem auch bei der Festivalseelsorge – gehe es dem jungen Ordensmann darum, auf unterschiedlichen Ebenen Begegnungen zu ermöglichen. P. Johannes unterstrich, wie wichtig es für ihn sei, präsent zu sein, aufmerksam zuzuhören und junge Menschen darin zu unterstützen, ihren eigenen Weg und ihre Berufung zu finden.

Mission zwischen Friedhof, Sporthalle und Social Media
Der Steyler Missionar und Wiener Kaplan P. Nixon Jose Kappalumakkal aus Kerala in Indien schilderte anschließend, wie er seinen Glaubensweg in der Großstadt erlebt. Besonders eindrücklich beschrieb er ein Sozialbegräbnis am frühen Morgen am Zentralfriedhof, bei dem außer ihm niemand anwesend war. Solche Momente des Abschieds in völliger Stille stellten existenzielle Fragen nach Einsamkeit, Würde und dem Trost des Glaubens. „Gott lässt niemanden allein“, betonte P. Nixon.
Bewegung und Begegnung seien zentrale Zugänge seiner pastoralen Arbeit. Wöchentlich spielt P. Nixon mit einer bunt gemischten Gruppe Basketball und auch Badminton. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein ergäben sich oft Gespräche, die mitunter auch skeptische Haltungen gegenüber der Kirche aufweichen. Im gemeinsamen Sport entstünden so Vertrauen und Gesprächsbereitschaft. Neben analogen Begegnungen setzt P. Nixon bewusst auf digitale Medien. In sozialen Netzwerken, etwa bei Aktionen wie „Licht in der Dunkelheit“, versuche er, pastorale Impulse zu setzen und dadurch Hoffnung und Verbundenheit auch online erfahrbar zu machen. Sein Fazit: Glaube in der Großstadt ist vielfältig und lebt vom Miteinander – „damit niemand allein bleibt“.

Mission heißt, mit offenem Herzen zu leben
Sr. Mary Naigaga stammt aus Jinja in Uganda und lebt seit vier Jahren in Wien. Ihre Heimat Uganda beschrieb die Barmherzige Schwester vom hl. Vinzenz von Paul als ein Land, in dem der Glaube sichtbar, laut und selbstverständlich gelebt wird. In Österreich erfährt sie den Glauben leiser, zurückhaltender – zugleich aber erfüllt von einer tiefen Sehnsucht nach Sinn. In ihrer Arbeit begegnet sie Eltern, die in einer unsicheren Zeit ihren Kindern Werte vermitteln möchten. „Mission bedeutet für mich, nicht mit lauter Stimme zu predigen, sondern mit einem offenen Herzen zu leben“, sagte die Ordensfrau.
Die Offenheit und der dankbare Glaube der Kinder berühren sie besonders. Freundlichkeit, Pünktlichkeit und Regeltreue schätzt sie als bereichernde Aspekte des Lebens in Österreich. Die religiöse Vielfalt erlebt sie als Herausforderung und zugleich als Einladung, den eigenen Glauben zu vertiefen. Als junge Ordensfrau möchte sie zeigen, dass das Evangelium lebendig und zeitgemäß ist. Für sie bedeutet Mission, mit einem offenen Herzen zu leben, Hoffnung zu schenken und so Zeugnis zu geben.

Den Abschluss des Missionstags bildete eine Feedbackrunde in drei Kleingruppen. Eine Teilnehmerin fasste den Tag so zusammen: „Das heute Gehörte lässt sich für mich so zusammenfassen, dass Mission einfach ‚da sein für andere‘ bedeutet.“
